Junge Landschaft - GaLaBau-Wissen

Vertikale Begrünung

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175. FOLGE: Unsere Serie für den Nachwuchs erläutert das wichtigste GaLaBau-Grundlagenwissen vom Abstecken bis zum Zaunbau: Diesmal geht es um das Thema Vertikalbegrünung.

Nun, man kann nicht sagen, dass Fassadenbegrünungen etwas Neues wären, aber sie sollten in Zukunft eine größere Rolle im urbanen Grün spielen. Seit Menschen sesshaft geworden sind und ihre Häuser und Gärten gestalten, spielen auch Kletterpflanzen eine kleine Rolle in diesen Bereichen. Zugegeben zuerst nur als Nutzpflanze – denken wir dabei nur an den Wein –, später aber auch als Deko-Objekt, wie zum Beispiel die Kletterrose

Heute haben Kletterpflanzen einen festen Platz im Gestaltungsrepertoire der Gartenkünstler. Ihre Bandbreite geht schon lange weit über den Efeu (Hedera helix) hinaus.

Moderne Fassadenbegrünungen sind aus der Gartengestaltung nicht mehr wegzudenken und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Außerdem schaut man zunehmend neben den ökologischen auch auf die sinnlichen Aspekte: Wie kann man ein Gebäude mit Grün, mit Blüten und Früchten verschönern, ohne dass es zugewachsen erscheint oder beschädigt wird?

Das Wort geht an die Verteidigung

Neben gestalterischen und ökologischen Überlegungen sind es vor allem klimatische Gesichtspunkte, die für die Begrünung von Fassaden sprechen. Ohne Zweifel sind einige Vorteile nicht von der Hand zu weisen. Im Gegensatz zu Putz, Stein, Beton oder Glas heizt sich die Oberfläche des Pflanzenbewuchses nicht so stark auf und kühlt dafür nachts schneller wieder ab. Durch die Verdunstung ihrer Blätter trägt die Pflanze zur Abkühlung bei und erhöht die Luftfeuchtigkeit. Dazu kommt noch, dass die Pflanzen zum Teil Schmutz und Staub aus der Luft filtern. Dichte, großflächige Begrünungen dämpfen den Verkehrslärm durch Streuung und ein dichter Pflanzenmantel an Gebäuden wirkt als Dämmschicht.

Immergrüne Kletter- oder Rankpflanzen verhindern vor allem im Winter Wärmeverluste. Im Sommer sorgen begrünte Fassaden für Verminderung der Oberflächentemperatur. Sie bilden einen nicht zu unterschätzenden Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Vor allem in größeren Städten ist das Umfeld als Lebensraum nicht mehr geeignet. Darum sollten bei der Planung und Renovierung von Gebäuden die Möglichkeiten von Fassadenbegrünungen berücksichtigt werden.

Schon mal was von Biologischem Wandschutz gehört? Nachweisbar ist die Schutzfunktion einer Begrünung bei Schlagregen. Eine Heizkostenersparnis wegen Wärmedämmung liegt im Bereich unter 2 bis 3 Prozent. Hauptsächlich ist es der auskühlende Wind, der durch wintergrüne Blätter von Efeu gemindert wird. An Südwänden ist der Effekt einer gewissen Wandkühlung an heißen Sommertragen.

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Nicht alles ist möglich

Klingt bis hier alles ziemlich gut und logisch, also sofort alle Hütten begrünen! Wenn das so einfach wäre: Manchmal macht die Beschaffenheit der Fassade nicht so ganz mit und das kann zu Einschränkungen bei der Begrünung führen. So wäre es doch ziemlich sinnbefreit eine Glasfassade mit ihren transparenten Elementen zu begrünen.

Ebenso schließen sich historische und denkmalgeschützte Fassaden, sowie künstlerisch oder besonders gestalteten Fassaden (z. B. komplexe Metall-Glas-Verbundsysteme) von einer Begrünung aus. Auch dekorierte Fassaden (mit Ornamenten und Stuckaturen), sowie Werbeflächen (z. B. Leuchtreklamen, Werbetafeln) sollten bei der Begrünung außen vor bleiben.

Wenn der kluge Nachbar seinen Senf dazu gibt

Wer kennt sie nicht die "Besserwisser" und "Alleskönner" aus der Nachbarschaft. Die immer schon einmal etwas gehört haben und davor warnen. So auch bei Fassadenbegrünungen. Räumen wir hier an dieser Stelle mit den Gerüchten und Mutmaßungen auf, die da wären:

"Durch Kletterpflanzen werden Bauschäden erzeugt."

Bei fachgerechtem Einsatz von Kletterpflanzen und der fachmännischen Planung der dazugehörigen Kletterhilfe kommt es, wenn alle Pflegemaßnahmen an Pflanze und Kletterhilfe regelmäßig durchgeführt werden, nicht zu Bauschäden. Schlimm ist es, wenn selbst klimmende Kletterpflanzen aber Ritzen und Spalten erobern. Die Triebe einiger Arten sind "negativ phototrop", das heißt sie suchen die Dunkelheit und wachsen dorthin.

Gibt es eine Spalte, wird sie gefunden, zum Beispiel bei Rollladenkästen und besonders im Bereich der Dachtraufe. Mit ihrem anschließenden Dickenwachstum können die Triebe lockere Teile absprengen und auch Dachziegel anheben. Aber auch andere Kletterpflanzen als nur die Selbstklimmer können Schäden verursachen. Blauregen zum Beispiel wächst so stark, dass er feste Bauteile absprengt, wenn er sie hinterwachsen kann. Ganze Fallrohre können so aus ihrer Verankerung gedrückt werden.

"Durch Kletterpflanzen werden die Wände feucht."

Hartnäckig hält sich die Behauptung, Kletterpflanzen wie Efeu würden durch ihre Wurzeln direkt Feuchtigkeit in die Wände bringen. Efeu besitzt sogar eine schützende und die Lebensdauer des Wandputzes verlängernde Wirkung. Ist der Verputz weitgehend frei von Rissen und auch sonst in Ordnung, sind keine Schäden zu befürchten. Eine Durchfeuchtung der Wände durch die Pflanzen als solche konnte nicht nachgewiesen werden.

"Pflanzen beschädigen den Hausanstrich."

An intakten Wandflächen entstehen keine Schäden durch Kletterpflanzen. Anders aber zum Beispiel an den heute üblichen Anstrichen mit Dispersionsfarben! Diese Anstriche werden erbarmungslos mit von der Wand gerissen, wenn Kletterwurzeln (Efeu) oder Haftscheiben (Wilder Wein) sich einmal von der Wand lösen beziehungsweise Teile der Pflanzen entfernt werden. Bei Silikatfarben steht dieses Problem weniger an. Mitunter aber gehen die Haftscheiben auch gar nicht ab und müssen bei einer Fassadensanierung abgeflammt werden.

"Aber das Laub (. . . )."

Ähnlich wie bei dicht am Haus stehenden Bäumen können auch Kletterpflanzen mit ihrem Laub zu einem ungeliebten Begleiter werden. Besonders dann, wenn die Pflanzen über die Dachtraufe wachsen und das Herbstlaub in den Strom der Dachentwässerung kommt. Dort sind regelmäßige Kontrollen unerlässlich.

Ein Problem sind die Kletterhilfen und deren Wartung

Es ist sicher jedem klar, dass auch Wasser unter das Blätterdach der Fassadenbegrünung gelangen kann und damit die Kletterhilfen aus Metall und Holz erreichen kann. Das ist ein Problem, das man im Auge behalten sollte: Unter den Blättern trocknet es schlechter ab als bei unbegrünter, frei liegender Wand. Nicht gegen Korrosion geschützte Metallteile tendieren dann zusammen mit den organischen, teils säurehaltigen Absonderungen der Pflanzen zu massiver (elektrolytischer) Korrosion.

Daraus leiten sich auch Anforderungen an die Materialität von Rankhilfen ab. Drahtseilkonstruktionen sollten generell aus Edelstahl sein, und bei Holzspalieren sollte man zu hoch witterungsbeständigem Robinienholz greifen.

Die Qual der Wahl

  • erreichbare Wuchshöhe, je nach Höhe der zu begrünenden Fläche,
  • Wüchsigkeit der Pflanze, je nach erwünschter Schnelligkeit des Begrünungseffektes,
  • Wuchsform der Pflanze, je nach Dichte der erwünschten Begrünung, zum Beispiel vorhangartig dichter Wuchs,
  • Kletterform der Pflanze, im Hinblick auf Erfordernis und Beschaffenheit von Kletterhilfen,
  • erreichbarer Durchmesser der Triebe am Wurzelhals, im Hinblick auf die Konstruktion und den Wandabstand von Kletterhilfen,
  • Licht- und Wärmeanspruch der Pflanzen, Auswahl je nach Klimazone und Exposition der zu begrünenden Fläche,
  • mögliche Schadensrisiken,
  • ökologische Bedeutung,
  • weitere Kriterien können außerdem sein: Winterhärte, Blüte, Frucht, Blattform/-farbe, Herbstfärbung, Sommer-, Winter-, Immergrüne, Austrieb und Blattfall.

Es ist nicht so ganz einfach sich für die richtige Pflanze zu entscheiden. Dabei sollten jedoch folgende Auswahlkriterien als Entscheidungshilfe hinzugezogen werden:

Der Unterschied macht's

Unter dem Begriff "Kletterpflanzen" werden alle Pflanzen zusammengefasst, die für ihren aufrechten Wuchs einer Unterstützung bedürfen, da sie sich aus eigener Kraft nicht aufrechthalten können. Ergänzend zur botanischen Systematik werden die Kletterpflanzen in aus kletter- und verwendungstechnischen Gründen in Gerüstkletterpflanzen und Selbstklimmer eingeteilt. Darüber hinaus werden sie aufgrund ihrer speziellen Kletterformen wie folgt eingeteilt:

Schlinger und Winder

Bei den Schlingern, auch Winder genannt, erfolgt das Streben zum Licht durch eine schraubenlinige Windebewegung des Sprosses um die Kletterhilfe. Schlinger, die ihren Halt (von oben betrachtet) entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn umwinden, nennt man Linkswinder (z. B. Celastrus orbiculatus). Schlingpflanzen, die sich im Uhrzeigersinn hochwinden, werden als Rechtswinder bezeichnet (z. B. Wisteria sinensis).

Einige windende Pflanzen bilden zur besseren Haltekraft am Spross besondere Kletter- oder Klimmhaare aus (z. B. Actinidia chinensis, Humulus lupulus).

Ranker

Ranker bilden fadenförmige, unverzweigte oder verzweigte Befestigungsorgane mit hoher Kontaktreizbarkeit aus. Diese Organe bewegen sich kreisend, bis sie aufgrund eines Berührungsreizes die getroffene Stütze umwickeln. Je nach Pflanzenart unterschiedlich dürfen die Kletterhilfen nur bestimmte Querschnitte aufweisen, da sich die Ranken sonst nicht um sie herumwickeln können.

Blattstielranker

Blattranker entwickeln aus teilweise oder völlig umgebildeten Blättern berührungsempfindliche Greif- oder Halteorgane. Blattstielranker klettern mit Hilfe der Blattstiele, die als berührungsempfindliche Halteorgane dienen (z. B. kletternde Clematis-Arten).

Wurzelkletter

Wurzelkletterer bilden auf der dem Licht abgewandten Seite der Triebe kleine, unverzweigte, sprossbürtige Haftwurzeln aus, die direkt auf der Unterlage aufliegen. Die eigentliche Verankerung erfolgt über feine Wurzelhaare (Ausstülpungen der Wurzelaußenhautzellen), die sich in feinste Poren oder Unebenheiten der Unterlage einspreizen (z. B. Hedera helix).

Haftscheibenranker

Haftscheibenranker stellen eine spezielle Form der Sprossranker dar. Die je nach Art kugel- oder sichelförmigen Rankenspitzen scheiden bei Berührung einer Oberfläche ein Haftsekret aus; zusätzlich kommt es zu Gewebewucherungen (Haftscheibenbildung), die sich zapfenförmig in feinsten Unebenheiten der Unterlage verankern (z. B. Parthenocissus tricospidata).

Selbstklimmer

Selbstklimmer, auch Spreizklimmer genannt, sind Pflanzen, die im eigentlichen Sinn keine Kletterpflanzen sind und doch zur Fassadenbegrünung eingesetzt werden. Sie haben die Eigenart in ihrem natürlichen Wuchs zuerst einen oder mehrere lange Triebe zu bilden, mit denen sie durch andere Pflanzen hindurch zum Licht wachsen. Um diese Position zu halten werden Seitentriebe gebildet, die die Pflanze auf anderen Pflanzen oder technischen Konstruktionen fixieren. Unterstützt wird dieses Verhalten noch durch zusätzliche "Befestigungseinrichtungen" wie Dornen, Stacheln und Ähnliches. Typische Beispiele für diese Pflanzengruppe sind Kletterrosen, Brombeeren (Rubus fruticosus) oder Winterjasmin (Jasminum nudiflorum).

Uwe Bienert

Quellen:

  • Gütebestimmungen für Gehölze (FLL e. V.) und den Gütebestimmungen für Stauden (FLL e. V.) (Forschungsanstalt Landesentwicklung Landschaftsbau e. V.)
  • Der Gärtner 1 (Martin Degen, Karl Schrader; Ulmer-Verlag)
  • Grundkurs Gehölzbestimmung (Lüder, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim)
  • Taschenlexikon der Gehölze (Schmidt/Hecker, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim)
  • International standard ENA 2010-2015 (M.H.A. Hoffmann, ENA’s European Plant Names Working Group)
  • DIN 18916 „Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Pflanzen und Pflanzarbeiten“

Nächsten Monat lesen Sie: "Hortus - Zukunft und Vergangenheit".

 Uwe Bienert
Autor

Landschaftsgärtner-Meister und Ausbilder

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