Zur gärtnerischen Verwendung der Stechpalme

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Ilex aquifolium. Frei wachsende Büsche eignen sich auf Grund ihrer Größe für größere Gärten oder parkähnliche Freiflächen sowie für Parkanlagen. Foto: Philipp Schönfeld

Ilex aquifolium Golden Queen. Die Stechpalme als der einzige wildwachsende, immergrüne Laubbaum in unseren Breiten ist für absonnige und lichtschattige Standorte besonders wertvoll. Foto: Philipp Schönfeld

Ein besonderer Sichtschutz: Ilex 1A. Foto: Philipp Schönfeld

Die heimische Stechpalme oder Hülse (Ilex aquifolium) stammt aus einer artenreichen Gattung mit 300 bis 400 Arten. Die überwiegende Zahl dieser Arten kommen in den tropischen, subtropischen und gemäßigten Zonen der Nord- und Südhalbkugel vor. Es sind kleinere Bäume oder Sträucher. Ilex aquifolium ist die einzige in Mitteleuropa heimische Pflanzenart der Gattung der Stechpalmen (Ilex) innerhalb der Familie der Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae). Ihr besonderen Wert für die Gestaltung von Gärten und Parkanlagen liegt in dem dekorativen immergrünen Laub, den roten Früchten sowie der vielseitigen Verwendbarkeit in Form von freiwachsenden Büschen, Kleinbäumen/Hochstämmen, Schnitthecken und als Kübelpflanze.

Zahlreiche Sorten mit unterschiedlichen Wuchs- und Blattformen sowie panaschierten Blättern erweitern die Gestaltungsmöglichkeiten. Zu beachten ist allerdings, dass die Stechpalme zweihäusig ist. Somit sind für einen Fruchtansatz weibliche und männliche Pflanzen erforderlich. Einige wenige Sorten hingegen sind einhäusig.

Die weiteren bei uns verwendbaren Arten und deren Sorten, im Wesentlichen I. x altaclarensis, I. crenata, I. x meserveae und I. verticillata, sind mittlere oder hohe Sträucher, die sich in ähnlicher Weise in der Gartengestaltung verwenden lassen.

Vorkommen und Standortansprüche

Die Europäische Stechpalme findet sich in Gebieten mit milden Wintern und nicht zu trockenen Sommern wie dem atlantisch beeinflussten Europa. In Mitteleuropa wächst sie im Flachland und im Alpenvorland bis in Höhenlagen von 1800 m. In Deutschland kommt die Stechpalme im Bereich des Mittelgebirgsgürtels vor allem westlich des Rheins, im Schwarzwald und im nördlichen Tiefland vor. Generell wird das Vorkommen in Südskandinavien durch niedrige Winter-Temperaturen (extremer Frost) und in Südeuropa durch Sommertrockenheit begrenzt. In Deutschland ist die Stechpalme nach der Bundesartenschutzverordnung geschützt.

Den Bedingungen am Naturstandort folgend trägt die Stechpalme im System der Lebensbereiche der Gehölze (Kiermeier, 1995) die Kennziffer 3.2.7.4 (s. Kasten), d. h. sie ist in der Hauptgruppe dem Lebensbereich "Artenreiche Wälder und Gehölzgruppen" zugeordnet. Die Stechpalme benötigt zum guten Gedeihen einen frischen bis feuchten Standort, sandig humose Böden mit einem sauren bis neutralen pH-Wert sowie ausreichende Luftfeuchte. Windexponierte Lagen sind zu meiden.

In Bezug auf die Winterhärte ist sie in die Zone 7b eingeordnet. Das bedeutet, dass die mittleren jährlichen Minimumtemperaturen im Bereich von -12,3 bis -14,9 °C liegen. In den Karten mit der Darstellung der Winterhärtezonen können allerdings nicht alle kleinklimatischen Besonderheiten dargestellt werden. Somit ist denkbar, die Stechpalme auch in Regionen mit niedrigeren Wintertemperaturen zu verwenden (etwa Zone 6), wenn der konkrete Standort auf Grund der örtlichen Bedingungen wärmer ist. Stadtstandorte sind beispielsweise in der Regel eine Halbstufe wärmer einzuordnen als die umgebende Landschaft. Oder es werden bei strengem Frost geeignete Schutzmaßnahmen getroffen.

Die eben beschriebenen Standortansprüche sind der Grund, dass die verschiedenen Ilex aquifolium Sträucher, sowohl der reinen Art als auch die Sorten, im Lehr- und Schaugarten an der LWG Veitshöchheim nur unbefriedigend wachsen. Trotz Zusatzbewässerung im Sommer und halbschattigen Standorten machen ihnen sowohl die heißen Sommer und die damit verbundene trockene Luft als auch der eher schwere, lehmige Boden mit einem pH-Wert von 7,3 zu schaffen. Das Wachstum und die Belaubungsdichte sind deutlich geringer als bei den oftmals so üppigen Exemplaren in atlantisch beeinflussten Klima Norddeutschlands oder dem Alpenvorland.

Ilex aquifolium. Foto: Baumschule Lorenz von Ehren

Ilex aquifolium 'Sharpy' . Foto: Baumschule Lorenz von Ehren

Verwendung in Garten und Park

Neben den (immergrünen) Nadelgehölzen ist ein gewisser Anteil immergrüner Laubgehölze wichtig für die Gestaltung von Gehölzpflanzungen. Sie sorgen dafür, dass im Winter die Pflanzung nicht völlig kahl wirkt und bieten auch in dieser Jahreszeit noch Sicht- und Windschutz. Die Stechpalme als der einzige wildwachsende, immergrüne Laubbaum in unseren Breiten ist für absonnige und lichtschattige Standorte deshalb besonders wertvoll. Für die Verwendung sprechen nicht nur das dekorative Laub und die roten Früchte, sondern auch ihre Schnittverträglichkeit. Ilex zählt zu den Bienennährgehölzen.

Quelle: Kiermeier, Peter (1995)

Die mit Früchten besetzten Zweige sind nicht nur in England als Weihnachtsschmuck beliebt und haben eine längere Tradition als der Weihnachtsbaum. Die Früchte sind allerdings giftig. Bereits der Verzehr von zwei Früchten kann zu Leibschmerzen, Erbrechen und Durchfall führen. 20 bis 30 der widerlich herb schmeckenden Früchte sollen für Erwachsene tödlich sein (Jagel, Höggemeier, Kasielke, 2016).

In den Außenanlagen von Schulen und Kindergärten sollte die Stechpalme deshalb nicht gepflanzt werden. Drosseln und Wildtauben hingegen fressen die Beeren, wenn sie durch die Fröste überreif geworden sind.Die Stechpalme wird 3 bis 6 m hoch. In Ausnahmefällen erreicht sie auch Wuchshöhen von 10 bis 15 m bei einer Breite von 3 bis 5 m. Sie wachsen nur langsam.

Der jährliche Zuwachs beträgt ca. 20 cm in der Höhe und etwa 10 cm in der Breite. Die höchsten wildwachsenden Exemplare in Deutschland sind bis zu 13 m hoch und weisen einen Stammdurchmesser von bis zu 65 cm auf (Jagel, Höggemeier, Kasielke, 2016). Im milden und niederschlagsreichen Klima von Süd-England und Irland gibt es Exemplare mit bis zu 20 m Höhe.

Die Wuchsform ist variabel und reicht vom spitz-kegelförmigen bis breit pyramidalen Großstrauch bis zum kleinen Baum mit einer breit eiförmigen oder rundlichen Krone. Von den Baumschulen wird Ilex aquifolium in Form von frei wachsenden Büschen, Hochstämmen (die reine Art sowie die höher wachsenden Sorten) sowie als Heckenpflanze kultiviert und angeboten. Sie sollten immer mit Ballen oder als Containerpflanze gepflanzt werden.

Ilex und Fagus Hecke. Foto: Philipp Schönfeld

Tabelle: Philipp Schönfeld

Die Sorte J.C. van Tol, deren Blätter kaum Randdornen aufweisen. Foto: Frank Angermüller

Ilex aquifolium Siberia. Die mit leuchtend roten Früchten besetzten Zweige sind als Weihnachtsschmuck besonders beliebt. Foto: Frank Angermüller

Argentea Marginata. Ilex-Gehölze zählen zu den Bienennährgehölzen. Foto: Frank Angermüller

Frei wachsende Büsche eignen sich auf Grund ihrer Größe nur für größere Gärten oder parkähnliche Freiflächen im Geschoßwohnungsbau sowie für Parkanlagen. Im Schatten von Gebäuden oder unter dem Schirm alter Bäume entwickeln sie sich im Laufe der Jahre zu eindrucksvollen Sträuchern und bieten einen guten Sichtschutz. Gestalterisch lassen sie sich sowohl mit Nadelgehölzen als auch mit Laubgehölzen kombinieren. Weiß blühende Gehölze zum Beispiel kommen vor dem dunkelgrünen Laub besonders gut zur Geltung.

Für den Herbstaspekt bieten sich Kombinationen mit anderen fruchttragenden Gehölzarten an. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Standortansprüche eignen sich dafür besonders die verschiedenen Arten und Sorten der Gattungen Berberis, Callicarpa, Chaenomeles, Cornus, Cotoneaster, Euonymus, Malus, Pyracantha, Rosa, Sorbus und Symphoricarpos. Stauden, Gräser und Blumenzwiebeln aus den Lebensbereichen "frischer Gehölzrand" (GR2-3) und "frische Freifläche" (FR2-3) runden die Pflanzung ab.

Auf Grund ihrer Zähigkeit und Schattenverträglichkeit eignet sich die Stechpalme zur Unterpflanzung älterer Bäume. Das gilt auch für die Baumarten, die als intolerant in Bezug auf Unterpflanzung gelten, wie zum Beispiel Acer campestre, A. platanoides, A. negundo, A. saccharinum, Aesculus hippocastanum, Platanus-Arten, Populus-Arten, Tilia-Arten und Sorten sowie Ulmus-Arten und Hybriden.

Ilex aquifolium zählt zusammen mit Hedera helix, Ligustrum vulgare, Mahonia aquifolium, Prunus laurocerasus und Taxus baccata zu den besonders widerstandsfähigen Gehölzarten, mit denen sich auch an so schwierigen Standorten noch überzeugende Pflanzungen gestalten lassen. Zur Ergänzung und Vervollständigung der Pflanzung eignen sich die folgenden Staudenarten: Bergenia-Arten, Buglossoides purpurocaerulea, Dryopteris filix-mas, Duchesnea indica, Epimedium alpinum, Euphorbia robbiae, Helleborus foetidus und H. orientalis, Lamiastrum galeobdolon, Luzula pilosa und L. sylvatica, Vinca minor, Waldsteinia geoides.

Für kleinere Gärten sind die verschiedenen Ilex-Sorten besser geeignet (s. Tabelle 1). Sie bleiben auch im Alter deutlich kleiner als die Art, wachsen zum Teil schneller und/oder fruchten reicher. Einige Sorten besitzen weiß oder gelb panaschierte Blätter. Sie wirken dadurch heller und "heiterer" als die Sorten mit rein grünen Blättern. Sie bieten sich an für farbabgestimmte Pflanzungen. Allerdings sollten dann weiß- und gelb panaschierte Sorten nicht miteinander vermischt werden.

Ilex aquifolium als auch die stärker wachsenden Sorten werden in den Baumschulen auch als Hochstämme kultiviert. Als immergrüne kleine Bäume bieten sie reizvolle Gestaltungsmöglichkeiten als Hausbaum. Ohne Schnitt entwickeln sie sich im Alter zu malerischen und mitunter knorrigen Baumgestalten. Auf Grund der Schnittverträglichkeit lassen sich die Kronen aber auch zu Kegeln, Bienenkörben oder Würfeln formen. Die Baumschulen bieten bereits vorgeformte Exemplare an. Sie passen gut in formale Gärten im Siedlungsbereich in Kombination mit Schnitthecken, Gebäuden oder Mauern.

Als geschnittene Hecke wird Ilex in Deutschland bisher viel zu wenig genutzt. Dabei bieten sie nicht nur einen guten Sichtschutz, sondern durch die bedornten Blätter auch einen guten Schutz vor unerwünschten Eindringlingen. Vögel und Kleinsäuger finden in diesen Hecken das ganze Jahr einen sicheren Aufenthalts- und Rückzugsraum. Die Wuchshöhe (Zielhöhe) sollte zwischen 150 und 250 cm liegen. Günstige Schnitttermine sind Mai und August.

Hohe Ilex-Hecke. Foto: Philipp Schönfeld

Ilex aquifolium Hecke. Foto: Philipp Schönfeld

Literatur
  • Eiselt, Max und Schröder, Rudolf (1977): Laubgehölze. Verlag J. Neumann-Neudamm (Melsungen, Basel, Wien), 1. Auflage.
  • Hansen, Richard und Stahl, Friedrich (2016): Die Stauden und ihre Lebensbereiche. Verlag Eugen Ulmer (Stuttgart), 6. Auflage.
  • Jagel, Armin, Höggemeier, Annette, Kasielke, Till (2016): Ilex aquifolium - Gewöhnliche Stechpalme, Hülse, Ilex (Aquifoliaceae). Jahrbuch des Bochumer Botanischen Vereins, 7, S. 226-236.
  • Kiermeier, Peter (1995): Die Lebensbereiche der Gehölze eingeteilt nach dem Kennziffernsystem. Verlagsgesellschaft Grün ist Leben mbH (Pinneberg), 3. überarbeitete Auflage.
  • Roloff, Andreas und Bärtels, Andreas (1996) Gehölze - Bestimmung, Herkunft und Lebensbereiche, Eigenschaften und Verwendung. Verlag Eugen Ulmer (Stuttgart).
  • Warda, Hans-Dieter (2016): Das große Buch der Garten- und Landschaftsgehölze. Bruns Pflanzen Export GmbH, 3. Überarbeitete Auflage.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 07/2022 .

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