Junge Landschaft - GaLaBau-Wissen

Befahrbarer Rasen?

191. FOLGE: Unsere Serie für den Nachwuchs erläutert das wichtigste GaLaBau-Grundlagenwissen vom Abstecken bis zum Zaunbau: Diesmal geht es um das Thema Rasen-Kunststoff-Kombinationen.
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Grafik: Uwe Bienert

Nun, eigentlich bin ich mit meiner Überschrift nicht richtig zufrieden: Zu eingeengt, zu einseitig und zu altmodisch! Die bessere Schlagzeile wäre sicher gewesen: „Ich baue eine Rasen-Kunststoff- oder Beton-Kombination!“ Na mal ehrlich, die meisten hätten nicht gewusst, was ich meine und der Rest hätte gelangweilt weitergeblättert. Ich hoffe, dass dies nicht das Schicksal des nachfolgenden Artikels sein wird!

Also, wie kam es zu dieser speziellen Rasenbauweise. Eigentlich sind sie das Ergebnis von zwei nicht von der Hand zu weisenden Tatsachen:

  1. Der Mensch hat nach einer Möglichkeit gesucht, "grüne Bebauung" und Wegebau zu kombinieren. Viele werden sich fragen: Warum das denn? Im Urbanen Bereich wohnen halt viele Menschen auf minimalen Territorium und möchten gern, dass es auch schön um ihre Wohngebiete aussieht. "Schön" heißt im Idealfall "schön grün" – und das bis möglichst nahe an die Häuser heran. Dabei müssen einige wichtige Nutzungsmöglichkeiten erhalten bleiben, die zwangsläufig nur mit schwerer Technik zu erledigen sind. Ich denke da besonders an Feuerwehrzufahrten, Flucht- und Evakuierungswege, Zufahrten für Instandsetzungs- Winterdienst- und Umzugsfahrzeuge, Krankentransporte. Also bot es sich an, die im Nachfolgenden beschrieben Baukonstruktion zu erfinden.
  2. Der Mensch ist faul und sein liebstes "Spielzeug" ist das Auto – das ist sicher sehr überspitzt – aber man will immer so nah wie möglich an jeden Lebensbereich heranfahren und sein Fahrzeug immer nah bei sich haben, wie es nur geht. Zu pflastern geht dabei nicht, weil das ökologische Gewissen sich meldet und wir in diesem Zusammenhang von 100%iger Versieglung sprechen müssen. Also auch gut für unser "grünes Gewissen" einen Begrünungshybrid in der Hinterhand zu haben.

Licht und Schatten

So einfach ist das gar nicht für die verschiedenen Bauarten zu sagen. Deshalb meine Tabelle, die zwischen allgemeinen und den Vor- und Nachteilen für Beton- und Kunststoffelementen unterscheidet. (s. Tab. Vor-/Nachteile)


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Grafik: Uwe Bienert

Materialüberlegungen

Generell haben wir es mit zwei Gruppen die Bauweisen zu tun. Zum einen haben wir die traditionellen Rasengittersteine aus Beton und zum anderen die Rasengitter aus Kunststoff. Beide haben ihre existenzielle Berechtigung und werden auch in der Praxis, ihre Vor- und Nachteilen gerecht, eingesetzt.

Der klassische Rasengitterstein besteht aus Beton in dessen Zwischenräumen das Gras wächst. Der Stein ist als Standardvariante rechteckig mit den Maßen 60 cm x 40 cm x 8 cm. In ihm befinden sich acht Kammern für das Substrat. Für eine stärkere Belastung des Belages sind die Steine auch mit einer Dicke von 10 cm, 12 cm oder sogar noch stärker zu haben. Je nach Ausführung haben sie einen Grünflächenanteil zwischen 30 % und 50 %. Für eine Komplettversiegelung sind Füllsteine erhältlich.

Bei der Kunststoffvariante ist das Materialgewicht deutlich geringer. Man hat zwei Konstruktionsausführungen auf dem Markt: Die erste sieht der Betonvariante ähnlich und hat auch die gleichen Eigenschaften (abgesehen vom Gewicht).

Am gebräuchlichsten sind jedoch in der Praxis die Rasenwaben. Sie besitzen schmalere Kunststoffstege und sind in der Regel quadratisch. Standardmaße sind Kantenlängen von 33 cm oder 50 cm. Sie sind 2 cm oder 4 cm dick. Geeignet sind sie sowohl für weniger belastete Flächen (beispielsweise Fußwege), aber auch eine Belastung durch Autos bis hin zu Schwerlastverkehr können diese Platten ab.

Verlegetechnik

Im Netz kursieren gefühlt tausende Anleitungen von nahezu jedem Baumarkt und Anbieter über die Verlegung dieser Kombinationen. Rat kann man sich sicher immer beim Hersteller holen. Im Hinterkopf sollte man aber immer haben, dass wir Profis sind und daher auch eine professionelle Einbauweise bevorzugen (Freestyle ist was für Laien und Hausmeister!) Was will ich damit sagen: Ein Einbau von diesen Bauteilen ohne Oberbau kommt nicht in die "Tüte"! Erste Überlegungen gehen in die Richtung der Funktionalität des Belages. Also: Wie hoch ist die Belastung? Wie ist der Untergrund beschaffen? Muss eine Beregnungs- oder Entwässerungsanlage eingebaut werden? Welche finanziellen Mittel stehen zur Verfügung? Welcher Rasen soll es sein? Mit welchem Substrat soll befüllt werden?

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Tabelle: Uwe Bienert

Die Schritte zum Erfolg - Rasengitterkombinationen verlegen

Arbeitsschritt Nr.1: Fläche vorbereiten und ausschachten

  • Fläche höhen- und lagegerecht vermessen und markieren
  • Schnurgerüst spannen

ausschachten und Höhe kontrollieren

Arbeitsschritt Nr.2: Schichtenaufbau teilweise einbauen und Elemente verlegen

  • Tragschicht höhengerecht einbauen und verdichten
  • Vermessung für die Randbegrenzung durchführen

Arbeitsschritt Nr.3: Randsteine setzen

  • Material für Randbegrenzung bereitstellen beziehungsweise auslegen
  • Beton einbringen und Randsteine setzen
  • Randsteine höhengerecht einbauen und Rückenstütze errichten

Arbeitsschritt Nr.4: Rasengittersteine verlegen

  • Tragschicht einbauen, verdichten und nivellieren
  • Bettungsschicht einfüllen und nivellieren
  • Rasenkombination verlegen

Arbeitsschritt Nr.5: Kammern befüllen und abrütteln

  • Substrat-Saatgutgemisch herstellen
  • Zwischenräume und Ränder mit Mutterboden/Erde auffüllen und verdichten
  • Substrat-Saatgutgemisch einarbeiten
  • verdichten
  • wässern

Wenn man darauf verzichtet, im Vorfeld ein Substrat-Saatgutgemisch herzustellen, wird die Fläche ganz normal wie eine anzusäende Rasenflächen behandelt.

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Grafik: Uwe Bienert

Möglichkeiten Rasengittersteine zu befüllen und zu bepflanzen

Die Hauptfunktion der Rasen-Kombi-Elemente ist für uns die Begrünung von befahrbaren Flächen. Aber wer jetzt denkt, nur Rasen kommt dafür in Frage, der irrt.

Rasengittersteine lassen sich auch mit Pflanzen füllen

Es ist sicher nicht von der Hand zu weisen, dass die effektivste Methode Rasengittersteine zu begrünen die Rasenansaat ist. Besonders geeignet ist hierfür Sportrasen, da er trittfest und robust ist. Regelmäßiges Mähen ist hier natürlich unabdingbar.

Alternativen hierzu sind bestimmte Pflanzen, die man zum Teil aus der Dachbegrünung kennt.

Pflanzvorbereitung

Grundsätzlich lassen sich alle niedrigwachsenden und trittfesten Pflanzen verwenden. Da sie wenigsten Pflanzen Staunässe vertragen und gerade bei Betonelementen viel Wasser ankommt, muss das Schichtensystem unter den Rasengittersteinen gut durchlässig sein. Eventuell ist auch eine Drainage aus Tongranulat oder Splitt sinnvoll.

Die Pflanze und damit der für den Austrieb verantwortliche Teil der Pflanze wird etwas tiefer gesetzt, um sie vor zu starker Beanspruchung durch Betreten oder Befahren zu schützen.

Die Auswahl der Bepflanzung erfolgt passend zum Standort.

Unmittelbar nach der Bepflanzung wird durch entsprechende Bewässerung für einen guten Anwuchs der Pflänzchen gesorgt. Unkraut wird regelmäßig entfernt.

Uwe Bienert

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Tabelle: Uwe Bienert
Quellen:
  • DIN e. V. (Hrsg.) (2019): VOB Gesamtausgabe, Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, Ausgabe 2019, Beuth Verlag GmbH, Berlin.
  • Englert K., R. Katzenbach, G. Motzke (2014): Beck`scher VOB- und Vergaberechtskommentar, 3.Auflage, C.H. Beck, München.
  • ATV DIN 18318, Ausgabe 2019, Beuth Verlag GmbH, Berlin,
  • Gütebestimmungen für Gehölze (FLL e. V.) und den Gütebestimmungen für Stauden (FLL e. V.) (Forschungsanstalt Landesentwicklung Landschaftsbau e. V.)
  • Der Gärtner 1 (Martin Degen, Karl Schrader; Ulmer-Verlag)
  • Grundkurs Gehölzbestimmung (Lüder, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim), Taschenlexikon der Gehölze (Schmidt/Hecker, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim)
  • International standard ENA 2010-2015 (M.H.A. Hoffmann, ENA’s European Plant Names Working Group)
  • DIN 18916 „Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Pflanzen und Pflanzarbeiten“

Nächsten Monat lesen Sie:
„Ich baue wassergebundene Decken“.

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