Fünf Fragen an ... Dieter Schnittjer, Geschäftsführer der VDBUM Service GmbH

Die Faszination gehört dazu

Dieter Schnittjer, Geschäftsführer der VDBUM Service GmbH Foto. VDBUM

Zur Person

Dieter Schnittjer, Jahrgang 1961, ist Vorstandsmitglied des Verbands der Baubranche, Umwelt und Maschinentechnik e. V. (VDBUM) und Geschäftsführer der VDBUM Service GmbH. Schnittjer hatte über sein ganzes Berufsleben hinweg mit Baumaschinen zu tun - sei es als Niederlassungsleiter, Prokurist oder Geschäftsführer. Bereits 1988 nahm er erstmals an einer VDBUM-Veranstaltung teil, seit 2013 ist er Chef der VDBUM Service GmbH. Das Marketingunternehmen betreibt unter anderem die Weiterbildungsakademie für Baumaschinensicherheit und Technik und ist Organisationsbüro für mehr als 300 VDBUM-Veranstaltungstermine im Jahr. www.vdbum.de

Exkurs: Stellen Sie den VDBUM bitte kurz vor und lassen uns wissen, wie er sich politisch positioniert.

Dieter Schnittjer: Wir sind ein Fachverband für die technischen Abteilungen von Bauunternehmen. Während unsere ordentlichen Mitglieder ausschließlich Einzelpersonen sind, können sich Firmen als Fördermitglieder bei uns engagieren. Darüber hinaus ist grundsätzlich jedes VDBUM-Mitglied eine Führungskraft, die in einem technischen Bereich aktiv ist - das können Meister, Ingenieure, Geschäftsführer oder Vorstände sein. Unsere Zielsetzung als Verband besteht darin, den technischen Leitern in Bauunternehmen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Allerdings sind wir kein politischer Verband - und das ist etwas, das uns auch ein Stück weit auszeichnet. Wenn Verwaltungen oder Ministerien uns einladen, bringen wir uns natürlich auch gern mit ein - solange es um unsere Kernkompetenz, die Detailfragen von technischen Problemlösungen, geht. Wenn wir aber beispielsweise von Tarif- oder Verkehrspolitik sprechen, so gilt ganz klar: Das ist nicht unsere Baustelle.

Auf ihrer Website findet sich die Formulierung, dass Sie "die Durchsetzungskraft und Geltung von Maschinenführern in den Betrieben stärken" wollen. Das ist doch eine politische Forderung, durch die ein ganzer Berufsstand aufgewertet werden soll?

Nein, bei dem Punkt geht es darum, dass ein Maschinenführer alle technischen Voraussetzungen erhalten soll, damit er bestmöglich arbeiten kann. Denn eins ist doch klar: Maschinenführer sind immer schon besondere Könner gewesen. Und gerade in Zeiten der Digi-talisierung müssen sie ein spezielles Prozessdenken mitbringen anstatt einfach nur ein Loch zu baggern.

Um es anhand eines Beispiels zu verdeutlichen: Wenn ein GaLaBauer heutzutage einen Teich anlegen soll, dann nutzt er in der Regel eine digitale Vermessungseinrichtung auf seinem Radlader. Auf die muss sich der Maschinenführer hundertprozentig verlassen können, damit er keine Gas- oder Wasserleitungen beschädigt. Während er den Teich anlegt, muss der GaLaBauer also nicht nur seinen Bildschirm im Blick haben, sondern auch seine Maschinentechnik. Und die Umgebung sowieso. Deswegen ist es unsere Aufgabe, alles dafür zu tun, dass die Maschinentechnik überall in der Baubranche eine große Bedeutung hat. Schließlich ist am Ende des Tages die Baumaschine die zentrale Schnittstelle auf der Baustelle - und verdient ein entsprechend hohes Ansehen.

Foto. VDBUM

Ein weiteres VDBUM-Ziel ist es, die Vernetzung von Maschinenherstellern- und -betreibern zu fördern. Wie tun Sie das konkret?

Wir veranstalten zum Beispiel Arbeitskreise zu ganz bestimmten Themen, zu denen wir auch gezielt Hersteller, Händler und Vermieter einladen. Ein weiterer entscheidender Punkt ist es, den Wissenstransfer zwischen diesen Akteuren zu gewährleisten. Denn wir sind ein Weiterbildungsverband zum Wohle unserer Baubranche.

Auch die Landschaftsgärtner sind Teil der Baubranche, deren Wohl Sie sich verschrieben haben. Welchen Mehrwert bietet die VDBUM-Mitgliedschaft einem typischen GaLaBauer?

Bei den Landschaftsgärtnern ist die Maschinentechnik zwar notwendig, aber nicht das liebste Kind. Daher vergeben viele GaLaBau-Unternehmen die Maschinentechnik an einen Fachbetrieb - und für diese GaLaBauer ist der VDBUM schlichtweg uninteressant. Es gibt aber auch landschaftsgärtnerische Betriebe, die sich selbst mit der Wartung und Reparatur ihrer Maschinen beschäftigen - von denen wiederum sind durchaus einige bei uns organisiert.

Wenn GaLaBauer also kleinere Reparaturen selbst ausführen, wenden sie sich gern an uns, und wir helfen ihnen etwa in Fragen der Arbeitssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit weiter. Wir bilden zwar keine Maschinenführer aus, aber auf unserer Akademie lernen beispielsweise Monteure in den Betrieben, wie sie Kompaktbagger, Radlader und Co. korrekt überprüfen. Um in der Fachsprache zu bleiben: Bei uns werden sie zu "befähigten Personen" für diese Wartungsarbeiten ausgebildet.

Der Fachkräftemangel ist ein Thema, das die Branche derzeit in Atem hält. Brechen wir das einmal auf die Maschinenführer herunter: Gibt es noch genügend junge Leute, die zum Beispiel Baggerführer auf der Baustelle werden wollen?

Das ist in der Tat eine große Herausforderung. Wir müssen den Menschen klar machen, dass die Bauwirtschaft wahnsinnig attraktive Berufe bietet. Das Bild vom Mann, der mit dem Spaten im Dreck steht, ist dank der technischen Entwicklung schon lange überholt. Und Baggerfahren oder einen Stampfer per Fernbedienung zu steuern, hat ja durchaus eine spielerische Komponente - was den jungen Leuten, die durch PC-Spiele und Spielkonsolen geprägt sind, entgegenkommt. Denken wir an einen modernen Bagger mit Rotator: Es ist doch toll zu sehen, wie man mit den Drehbewegungen ganz neue Modellierungen in der Erde hinbekommt. Und wenn das dann noch digital angesteuert werden kann, weil bereits digital ein Vermessungsmodul hinterlegt wurde, ist das doch faszinierend. Diese Faszination gehört zur Baubranche dazu, und die müssen wir auch vermitteln.

Als VDBUM setzen wir mit unserem "Bauerlebnistag" genau dort an. Wir bringen Schulen mit Bauunternehmen aus der Region in Kontakt und versuchen, interessierte Schüler vor Ort in den Firmen für den Bau zu begeistern. Und das Feedback gibt uns Recht: Immer wieder sagen Schüler: "Das ist eine geile Sache. Tolle Technik, mit der ich mich richtig ausleben kann. Da habe ich Lust drauf." Leider sieht der ein oder andere (GaLa)Bau-Unternehmer solch eine Art der Nachwuchsgewinnung aber eher als lästigen Aufwand, denn als Investition in die Zukunft. Dabei müssen wir uns klar machen: Wenn wir uns für die jungen Leute nicht richtig ins Zeug legen, gefährden wir die Entwicklung unserer gesamten Branche - denn wir brauchen die Fachkräfte.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Exkurs 01/2019 .

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