Auftragstreiber ist vor allem der Privatgarten-Bereich

GaLaBau zu Lockdown-Beginn in sehr guter Form

96 Prozent der befragten BGL-Mitgliedsunternehmen erwarten, dass dieses Jahr positiv für sie ausfallen wird. Foto: Neue Landschaft

Der Garten- und Landschaftsbau zeigt sich zu Beginn des zweiten Lockdowns in Deutschland in einer sehr guten Verfassung. Für einige GaLaBau-Unternehmen könnte es eines ihrer besten Jahre werden. Dazu tragen vor allem die Aufträge aus dem Privatgarten-Segment bei. Aufträge der öffentlichen Hand gibt es dagegen nicht mehr so reichlich wie vor der Coronakrise.

Das spiegelt sich auch in der Herbst-Konjunkturumfrage des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) wider. 96 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen erwarten, dass dieses Jahr positiv für sie ausfallen wird. Gegenüber Oktober 2019 habe sich diese Einschätzung damit kaum verändert, sagt Joachim Scheer, BGL-Referent für Betriebswirtschaft. Allein die Bewertung der Auftragslage "besser als im Vorjahr" sei in den vergangenen zwölf Monaten merklich angestiegen, von 33 Prozent auf 36 Prozent.

Christoph Lau und Prof. Rudolf Walter Klingshirn, GaLaBau-Geschäftsführer in Nordrhein-Westfalen und Bayern, berichten, dass es dem GaLaBau unvermindert gut geht. Fotos: VGL Nordrhein-Westfalen, VGL Bayern

GaLaBau-Unternehmer erwarten gutes 2020

"Die Konjunktur ist da und hat nicht nachgelassen", sagt Christoph Lau, Geschäftsführer des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Nordrhein-Westfalen. Die meisten GaLaBau-Betriebe seien zuversichtlich. Ähnlich sieht es Prof. Rudolf Walter Klingshirn, Verbandsdirektor des VGL Bayern: "Dem Garten- und Landschaftsbau geht es im Verhältnis zu anderen Branchen sehr gut."

Sorge vor Infektionszahlen drückt Stimmung

Allerdings machen die steigenden Corona-Infektionszahlen den Unternehmen viele Sorgen. Zwar sei auf Seiten der Auftraggeber eine gute Stimmung zu verspüren, erläutert Rainer Bierig, Geschäftsführer des VGL Baden-Württemberg, doch das Wissen um die Gefahren des Virus liege wie Mehltau über der grünen Branche. Klingshirn berichtet von Mehrkosten, die Unternehmen auf sich nehmen, um nicht zusperren zu müssen. Bei Erkältung müssen in vielen bayerischen Betrieben die Mitarbeiter zunächst zu Hause bleiben und sollen erst wiederkommen, wenn ein negativer Coronatest vorliegt. Vielleicht liegt es auch an solchen Maßnahmen, dass die Branche von schweren Ausbrüchen bisher verschont geblieben ist. In einzelnen Fällen mussten Mitarbeiter bereits in Quarantäne gehen. Jedoch kein GaLaBau-Unternehmen musste seine Arbeit aussetzen oder gar schließen.

Auftragsvorläufe für Privatgärten sind enorm

Das Privatgartensegment läuft gut. Die Auftragsvorläufe seien enorm, erklärt Dr. Michael Marrett-Foßen, Geschäftsführer des Fachverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (FGL) Hamburg. Ein Auftragstreiber war in diesem Sommer der Bau von Swimmingpools. Im nächsten Sommer wollen viele Gartenbesitzer ein Homeoffice im Garten nutzen und betrauten damit den GaLaBauer ihres Vertrauens.

Rainer Bierig erklärt, warum die Gefahr des Virus wie Mehltau über der Branche liegt, Dr. Michael Marrett-Foßen erläutert die Mechanismen des Privatgarten-Segments und Markus Guhl (BdB) meldet eine Verknappung bei Gehölzen. Fotos: VGL Baden-Württemberg, Neue Landschaft, BdB

Wieviel sich in diesem Sommer in den privaten Gärten getan hat, belegt auch eine Zwischenbilanz des Bundes deutscher Baumschulen (BdB). Bei manchen Gehölzarten kam es zu einer Verknappung am Markt. Zurzeit gibt es nicht ausreichend Obstbäume, Hainbuchen, Amberbäume, Feldahorn, Heckenpflanzen und Bodendecker, so BdB-Hauptgeschäftsführer Markus Guhl. Er empfiehlt den Auftraggebern "sich intensiv mit dem Gehölzmarkt auseinanderzusetzen und vor allem den Empfehlungen der Baumschulen zu folgen, wenn es um sinnvolle Alternativen zur ursprünglich erfragten Pflanze geht".

Bei der öffentlichen Hand gibt es viel guten Willen, mehr Grün in die Stadt zu bringen.

Beim nordrhein-westfälischen VGL-Geschäftsführer Christoph Lau kam vor kurzem ein Vertreter von Düsseldorf Marketing vorbei. Dort sieht man das Stadtgrün als Standortfaktor im Wettbewerb um Unternehmen und Fachkräfte. Der neue Oberbürgermeister Stephan Keller lässt alle Abteilungen seiner Verwaltung prüfen, welche positiven Funktionen Stadtgrün in ihrem Bereich haben kann. "Corona hat gezeigt, dass Stadtgrün gut für die Gesundheit und Psyche ist", so Lau. Nach Auffassung von Klingshirn werden sich die Kommunen schwertun, beim Stadtgrün Einschränkungen vorzunehmen, meint Klingshirn. Doch im Südwesten seien die öffentlichen Ausschreibungen drastisch zurückgegangen, hat sein baden-württembergischer Kollege Rainer Bierig festgestellt. Aus Unsicherheit würden in vielen Kommunen Haushaltssperren erlassen und Gelder zurückgehalten. Michael Marrett-Foßen pflichtet ihm bei: Die öffentliche Hand habe große GaLaBau-Vorhaben bereits verschoben.

Tiefbau will GaLaBau Aufträge abjagen

Hinzu kommen Verzögerungen im Umgang mit den Behörden. Im Lockdown seien viele Verwaltungsmitarbeiter im Homeoffice, sagt Klingshirn. Die Bearbeitung von Rechnungen und Behinderungsanzeigen sei dort nicht so effektiv wie bei den bisher üblichen Baustellbesprechungen vor Ort.

Zu einem Abbau von Beschäftigten im GaLaBau wird es nach Auffassung der Verbandsvertreter nicht kommen. Davon scheint auch die Tiefbau-Branche auszugehen. Sie macht nach Bierigs Angaben der grünen Branche auf ihrem eigenen Terrain Druck. GaLaBau-Aufträge sind für den Tiefbau inzwischen interessant geworden. Mehr denn je interessieren sich auch junge Leute für den Garten- und Landschaftsbau. Die GaLaBau-Ausbildungszahlen seien in diesem Herbst gestiegen und seien so stark wie nie, berichtet Lau aus Nordrhein-Westfalen.

Mit seiner Nachwuchsberatung und der Fachkräftekampagne, die den Beruf des Landschaftsgärtners ins rechte Licht stellen sollen, habe man offene Türen eingerannt. cm

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 11/2020 .

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