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Leserbriefe

Prof. Dr. Wolfgang Borchardt, Emeritus der Fachhochschule Erfurt und Experte für Pflanzplanung und Angewandte Landschaftsökologie, äußert sich zu den in der Neuen Landschaft 12/2022 auf Seite 8 geschilderten Engpässen auf dem Baumschul-Markt durch die Zertifizierung gebietseigener Gehölze.

Meines Erachtens geht die Diskussion um "gebietseigene Herkünfte" an der Praxis vorbei. Die "gebietseigenen Herkünfte" mit ihren "Herkunftsgebieten" waren schon immer ein eher ideologisches Konstrukt, ihre Differenzierung zum Teil nicht belegbar, zum Teil nicht ausreichend - etwa bei den zahlreichen Kleinarten der Rosengewächse.

Dass vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung der seit dem Reichsnaturschutzgesetz von 1936 betriebene "konservierende" Naturschutz in alter Form ausgedient hat, will man nicht wahrhaben. Man glaubt, dass die Klimaerwärmung um die Vegetation, die gern "heimisch" genannt wird, einen Bogen macht und die Einwanderung von Neophyten in Naturschutzgebiete dauerhaft verhindert werden kann. Derweil verändern sich die Pflanzengesellschaften in der "freien Natur" unbeeindruckt von bürokratischen Festlegungen.

Damit darf angezweifelt werden, dass "gebietseigene Herkünfte" ein standortgerechtes, nachhaltiges und klimaresilientes Modell darstellen können. Das zeigt schon ein Blick in den aktuellen Waldschadensbericht. Zudem verzichtet das Bundesnaturschutzgesetz darauf, die dort so genannte "freie Natur" zu definieren. Aber für diese Standorte werden "gebietseigene Herkünfte" verlangt.

Da unsere Landschaft fast ausschließlich Kulturlandschaft ist und für forst- und landwirtschaftliche Anbauflächen Ausnahmeregeln gelten (§ 40 BNatSchG), bleibt weiterhin offen, welche Flächen noch "freie Natur" darstellen. Wer wird im Einzelfall den Nachweis zu erbringen haben, ob Alleen, Bahnstrecken- und

Autobahnböschungen in der Landschaft "freie Natur" oder einen anthropogen überformten Standort darstellen, der - auch aufgrund der notwendigen Verkehrssicherheit - eine spezifische Gehölzartenwahl erfordert? Mehr noch: Die fehlende Definition der "freien Natur" dient nunmehr als Hintertür, um den "Gebietseigenen" die Stadt zu öffnen ("Bündnis für die Städte im Klimawandel") - obwohl gerade jetzt der schon seit Jahrzehnten extreme, niemals "gebietseigene", von Menschen geschaffene Stadtstandort aufgrund der Klimaerwärmung noch ein Stück unwirtlicher geworden ist und ein klares Gegenstück zu "freier Natur" darstellt - ob mit oder ohne Definition.

Selbst die bislang auf das Konservieren gerichtete Gartendenkmalpflege muss nun anstelle hitzetoter, oft "heimischer" Bäume andere Gehölze auswählen oder klimaresiliente Individuen auslesen, die der zu bewahrenden historischen Gestaltungsidee nachhaltig gerecht werden. Hier auf die wenigen noch geeigneten "heimischen" Gehölze zu setzen, übersieht bewusst die realitätsverbundenen Forderungen nach Artenvielfalt, nachhaltiger Klimaanpassung oder später Bienentracht.

Eine von Ideologie, Parteienpolitik und fehlendem Fachwissen genährte Verleugnung der Realität ist nicht zukunftsfähig, weil sie die dringend benötigte klimaangepasste Gehölzverwendung blockiert. Eine Position, die zugleich zum Angriff auf eine seit Jahrhunderten gewachsene und bewährte Gartenkultur ruft. Finden BdB, BDLA und ZVG eine Antwort auf eine verordnete Haltung, die vermeintlich "gute" von den "bösen" Gehölzen unterscheiden will?

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 01/2023 .

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