Privatgarten

Mediterranes Flair im Westerwald

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Bei allen Gartenstilen und -richtungen, die sich Bauherren wünschen, lagen oft "Toskanagärten" oder allgemein mediterran wirkende Entwürfe vorne. Später folgten die puristischen Gärten, das "Wohnzimmer im Freien" und viele Entwürfe mit Outdoor-Küchen, fest eingebauten Grills und weiterer Technik. Doch der Traum vom Süden wird auch heute noch geträumt und realisiert. Mitten im Westerwald, auf rund 450 m Höhe, entstand ein Garten, der Glauben macht, fast schon in Italien zu sein.
Gartengestaltung
Blick von einer der oberen Ebenen des Terrassengartens weit hinaus in die Landschaft des Westerwaldes. Foto: Thomas Herrgen

Das Gartenidyll entstand in Eigenregie der Bauherren. Sie fanden gute Bestandsgrundstrukturen vor, bauten diese aus und vollendeten vor allem mit der Bepflanzung das Werk. Das braucht Zeit, Geduld und viel gärtnerisches Wissen. Und so konnte trotz Mittelgebirgslage unter den gegebenen Umständen ein südländisch anmutender Garten gestaltet werden.

Der Westerwald ist ein Hochplateau, das je nach örtlicher Lage aus Granit, Basalt oder Richtung Rhein aus Schiefer besteht. Es erstreckt sich zwischen Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Die höchste Erhebung mit 647 m ist die Fuchskaute und viele Orte im Umkreis liegen auf 400 bis 600 m Höhe.

Der Westerwald ist für seine kühlen, kräftigen Winde und die langen, kalten Winter berühmt und auch berüchtigt. Umso so erstaunlicher ist es, dass es bei diesen rauen Klimabedingungen möglich war, einen nahezu "italienischen Garten" anzulegen.

Die Bauherren erwarben vor sieben Jahren in Waldrandlage eines kleinen Dorfes eine ehemalige Schilderfabrik mit Wohnung und terrassiertem Außenbereich. Parallel zum Umbau des gesamten Gebäudekomplexes zu eigenen Wohnzwecken erfolgte die Umgestaltung des Gartens.

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    Gartengestaltung
    Die überdachte Terrasse auf der Westseite des Hauses ist im hinteren Bereich (Bruchsteinmauer) mit einem offenen Kamin ausgestattet. Foto: Thomas Herrgen
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    Der Terrassengarten (hier Ausschnitte) erstreckt sich über bis zu acht Ebenen und versprüht in allen Bereichen italienisches Flair. Foto: Thomas Herrgen

    Vorgeschichte und Bestand

    Die ehemalige gewerbliche Nutzung des Grundstücks hinterließ im oberen Außenbereich eine eigene asphaltierte Zufahrt mit Parkplätzen und eine zweite Erschließung mit Stellplatz zur unteren Ebene, mit der ehemaligen Wohnung der Fabrikinhaber. Diese verfügte zudem über einen fest überdachten, ummauerten Sitzplatz mit Kamin.

    Die Terrasse davor mit kleinem Sitzmäuerchen bietet eine herrliche Aussicht ins Tal und zum gegenüberliegenden, bewaldeten Hang. Im Garten waren zahlreiche Bäume, Sträucher, vor allem Rhododendren und Rasenflächen vorhanden.

    Der Bereich östlich des Gebäudes war bereits durch Natursteinmauern terrassiert. Die Ebenen wurden von den Vorbesitzern überwiegend für Nutzpflanzen, auch mit gebauten Frühbeeten genutzt. Ein kleines Gewächshaus und ein Wintergarten mit reicher Bepflanzung rundeten den Bestand in diesem Bereich ab.

    Im gegenüberliegenden Westteil befindet sich eine große Rasenfläche mit vielen Gehölzen am Rand. Hinzu kommt die befestigte Erschließung mit Fahr- und Stellflächen und eine Garage. Die heutigen Bewohner, ein Ehepaar (im Alter von 50+), haben viele positive Grundstrukturen im Wesentlichen übernommen, aber den terrassierten Bereich umgestaltet und in ein kleines Gartenparadies verwandelt.

    Es blüht, summt und brummt nun von März bis Oktober. Auch Nutzpflanzen wie Salat, Kräuter und Obst gehören in kleinem Umfang weiterhin dazu und im Gewächshaus werden beispielsweise Tomaten gezogen. Darüber hinaus sind an der Sitzterrasse auf der Westseite und im terrassierten Gartenbereich viele Details liebevoll arrangiert, etwa Treillagen, Skulpturen, Vasen und weitere Accessoires.

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      Der weiße Wintergarten (im Hintergrund) dient in der kalten Jahreszeit auch als „Orangerie”. Foto: Thomas Herrgen
      Gartengestaltung
      Der Terrassengarten (hier Ausschnitte) erstreckt sich über bis zu acht Ebenen und versprüht in allen Bereichen italienisches Flair. Foto: Thomas Herrgen
      Gartengestaltung
      Der Terrassengarten (hier Ausschnitte) erstreckt sich über bis zu acht Ebenen und versprüht in allen Bereichen italienisches Flair. Foto: Thomas Herrgen

      Sonnenexponierte Terrassenebenen

      Das am Hang liegende Grundstück mit dem gestaffelten Wohnhaus ist nach Süd-Osten ausgerichtet. Für den rund 500 m² großen Terrassengarten (Grundriss circa 22 x 22 m, Höhenstaffelung insgesamt bis circa 8 m, über 5 bis 7 Ebenen) heißt das, Sonne von früh morgens fast bis zum Sonnenuntergang.

      Die von 0,4 m bis zu 2 m hohen, überwiegend vermörtelten Bruchstein-/Basaltmauern fangen die Sonne ein, speichern die Wärme und geben diese am Abend bis in die Nacht hinein wieder ab. Dies schafft ein Mikroklima, das einen leicht südländischen Charakter entstehen lässt und entsprechend wärmeliebende Pflanzen ermöglicht.

      So stehen auf den Mauern oder in den Terrassenebenen unter anderem Zitronen- und Olivenbäumchen in Terrakottakübeln. Auch ein Granatapfelexemplar (Punica granatum) gehört zum Inventar und schafft das typisch mediterrane Flair, ebenso wie Palmlilien (Yucca gigantea) in Kübeln oder die winterfeste Fädige Palmlilie (Y. filamentosa) im Beet, sowie Lavendel (Lavandula angustifolia).

      Mit zahlreichen Umpflanzungen aus dem vorherigen Garten der Besitzer komplettierte sich das Bild. Vor allem die vielen historischen Rosensorten wie die Portland-Rose 'Madame Boll' (1843 in New York von einem ausgewanderten Schweizer gezüchtet), die Alba-Rose 'Céleste' (von 1759), die französische Rambler-Rose 'Ghislaine de Féligonde' (von 1916) oder auch die Historische Wildrose Rosa gallica 'Versicolor' fanden im neuen Garten wieder sonnige Plätze.

      Hinzu kommen Stauden wie beispielsweise Taglilien (Hemerocallis), Tränendes Herz (Dicentra) oder Frauenmantel (Alchemilla mollis). Alle kälteempfindlichen Pflanzen in Kübeln und Töpfen kommen im Herbst in den Wintergarten, der dann als "Orangerie" fungiert.

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      Der Mix der Pflanzung ... Foto: Thomas Herrgen
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      ... ist nicht nur bunt und abwechslungsreich, ... Foto: Thomas Herrgen
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      ... er sorgt auch für Biodiversität und Vielfalt. Foto: Thomas Herrgen
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      Riesenzierlauch (Allium giganteum 'Globemaster') Foto: Thomas Herrgen
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      Zitronenbäumchen (Citrus limon). Foto: Thomas Herrgen
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      Funkien (Hosta). Foto: Thomas Herrgen

      Umgestaltung in Eigenregie

      Ganz im Sinne von "do it yourself" (DIY) führten die neuen Gartenbesitzer fast alle Arbeiten selbst aus. Die Planung erfolgte mehr oder weniger im Kopf, bei der Umsetzung half oft eine Mittellinie, eine Schnur oder ein Steckholz. Buchsbaumpflanzen wurden symmetrisch zu kleinen Ornamenten arrangiert, ein altes rundes Gefäß erhielt seinen neuen Platz in der mittleren Terrassenebene, eingegraben als Wasserbecken und am Rand überhängend bepflanzt.

      Für die Funkien (Hosta) war es etwas zu sonnig, sie zogen wieder um und überließen Frauenmantel (Alchemilla), Mohn und Rosen den Platz. Mit Umpflanzungen innerhalb des Gartens wurden andere Arten aus dem Bestand versetzt.

      Hinzu kamen die "Umzüge" von Pflanzen aus dem bisherigen Garten der Bauherren, nur ein paar Dörfer weiter, sowie geschenkte Pflanzen und Neuerwerbungen für den Sommerflor, für Pflanzkästen, Kübel, Vasen und Beete.

      Bei der Ausstattung folgten Bänke (Holz und Metall), Dekorationen, Rankgitter, Skulpturen, Vasen, Buntglasfenster und Gefäße aus Westerwälder Keramik (regionaltypische grau-blaue Muster). Viele Gegenstände wurden aus Second-Hand Geschäften erworben, teilweise gestrichen oder umgearbeitet.

      Die Deko-Elemente schmücken in Verbindung mit Pflanzen auch den überdachten Terrassenbereich oder einen in blau und weiß gehaltenen weiteren "griechischen" Sitzplatz sowie das Innere des Wintergartens. Die großen Gartenskulpturen fanden ihren Platz auf den Mauern des terrassierten Bereichs und vermitteln den Eindruck, in einem kleinen barocken Idyll zu sein.

      Ein Garten für Feste

      So ein Garten bietet sich natürlich zum Feiern an und genau das findet in ihm auch statt. Neben Geburtstagen und Grillpartys organisieren die Bauherren musikalische Gartenfeste. Der Hausherr, Musiker von Beruf, lädt dazu seine Ensembles ein, alle bringen etwas zum Essen mit, man musiziert zusammen und feiert im Anschluss im Garten.

      Auch eine Tradition aus Frankreich fand 2022 erstmals im Terrassengarten statt, ein "Dîner en blanc" ("Abendessen in Weiß"). Neben Tischen, Stühlen und Tischdecken in weiß sollen auch alle Gäste in weiß gekleidet erscheinen.

      Die "Farbe" Weiß – eigentlich gar keine Farbe – egalisiert und macht alle zu Gleichen unter Gleichen. Bei der Erstauflage 2022 fand dieses Fest an einem der heißesten Tage des Jahres statt.

      Doch zum Westerwald gehören nach Sonnenuntergang auch angenehme Kühle und stets ein kleiner frischer Wind; somit ein angenehmer Unterschied zu südlichen Ländern.

      Leben mit Tieren

      Zu den Bewohnern auf dem Anwesen gehören auch eine ganze Reihe von Tieren. Die meisten von ihnen, vor allem die größeren, wie die zwei Pferde und die beiden Ziegen, fanden in neu gebauten Stallungen oberhalb des Terrassengartens ihre Behausungen mit Auslaufbereichen.

      Die Hausbesitzer halten auch mehrere Katzen, eine davon lebt überwiegend draußen und nutzt den Garten gerne als Forschungs-, Spiel- und Tummelplatz oder fängt die ein oder andere Maus. Nicht zuletzt sind Laufenten, Wachteln und weiteres Federvieh in kleiner Zahl Teil des Ensembles.

      Für sie wurde auf der großen Rasenfläche im Westen ein Stall mit Volière aufgestellt. Zum Grundstück gehören auch noch direkt angrenzende Weideflächen, auf denen vor allem die Pferde grasen können.

      Teil der natürlichen Fauna, auch im Zusammenhang mit dem im Norden angrenzenden Wald sind zahlreiche Vogel- und Insektenarten. Die vielen Blühpflanzen im Garten sind geradezu ein Paradies für verschiedene Schmetterlinge und Bienenarten.

      Auch Mauereidechsen tummeln sich vereinzelt in den unvermörtelten Bereichen der Hangstützwände des Terrassengartens.

      Gartengestaltung
      Mediterranes Flair im Westerwald. Foto: Thomas Herrgen
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      Der Garten ist überall dekoriert, am Kaminsitzplatz, u.a. mit Westerwälder Keramik ... Foto: Thomas Herrgen
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      ... auf den Mauerkronen der Terrassen etwa mit Skulpturen ... Foto: Thomas Herrgen
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      ... oder in der Bucht eines Weges mit der halben Baumsitzbank aus Metall. Foto: Thomas Herrgen

      Versuch und Irrtum

      Die Umgestaltung mit den wesentlichen Veränderungen dauerte etwa ein Jahr bis Herbst 2015. Wobei ein Garten wie dieser nie "fertig und abgeschlossen" sein wird. "Try and error" (Versuch und Irrtum) mit Pflanzen gehört ebenso dazu wie die Anpassung an den Klimawandel (Standortwahl, Bewässerung) oder beim Neu- und Umpflanzen der Gedanke an Biodiversität.

      "Mein Ziel ist es", so der Hausherr und Gartenliebhaber, "das ganze Jahr, auch im Winter, blühende Pflanzen zu haben. Durch die Christrosen, Lenzrosen, die Frühblüher (Schneeglöckchen, Winterlinge, etc.) und vor allem dank des gelb blühenden Winterjasmins ist das inzwischen auch der Fall. Und die Chrysanthemen, die wir mehrjährig kultivieren, blühen vor dem Haus unter dem Vordach bis in das neue Jahr hinein."

      Projektinformationen

      • Bauherr:
        privat
      • Lage:
        Verbandsgemeinde (VG) Bad Marienberg (Westerwald), Rheinland-Pfalz
      • Grundstücksgröße:
        ca. 3.000 m² zzgl. Weideflächen
      • Wohnhaus erbaut:
        späte 1940er Jahre
      • Umbau:
        - 1960/1961
        - Anbau (Fertigungshalle Schilderfabrik): 1969
        - Erwerb durch die heutigen Besitzer: September 2014
      • Umgestaltung Garten:
        - bis Herbst 2015 /Frühjahr 2016
        - Danach kleinere und größere Umgestaltungen und Umpflanzungen fortwährend bis in die Gegenwart.

      Materialien (im Bestand):

      • Natursteinmauern mit Dachziegelabdeckung
      • Stufen (Bruchstein u. Basalt mit Abdeckung)
      • Wege: Polygonalplatten (Travertin, Marmor, etc.)
      • Frühbeete (Betoneinfassung) mit Glasabdeckung
      • Gewächshaus (Glas, Metall)
      • Wintergarten (Holz, Kunststoff, Plexiglas)

      Pflanzen im Bestand (Auswahl)

      • Bäume, u. a. Irischer Säulen-Wacholder (Juniperus communis 'Hibernica'), Japanischer Fächerahorn (Acer palmatum 'Dissectum Atropurpureum'), Fichten [Sichtschutz] und Hemlocktannen, Mähnenypresse (Chamaecyparis nootkatensis 'Pendula'), Gelbe Pflaume, Äpfel, Quitte, große Eibe, Bergahorn)
      • Rhododendren, heckenartig an der Südgrenze
      • Sträucher und Rasenflächen

      Pflanzen neu (bzw. aus vorherigem Garten umgesetzt; Auswahl)

      • ca. 50 Rosen (alte historische Sorten)
      • Funkien (Hosta spec.) in Arten und Sorten, auch panaschierte
      • Mispel (Mespilus germanica)
      • Olivenbäumchen (Olea europaea)
      • Zitronenbäumchen (Citrus limon)

      Duftpflanzen

      • Gartenhyazinthe (Hyacinthus orientalis)
      • Weiße Narzisse oder Dichter-Narzisse (Narcissus poeticus)
      • Gemeiner Flieder (Syringa-vulgaris-Hybride)
      • Levkojen (Matthiola)
      • Tuberosen (Agave polianthes)
      • Historische Rosen (in Sorten)
      • Waldgeißblatt (Lonicera periclymenum)

      Sonstige Pflanzen

      • Akelei (Aquilegia vulgaris)
      • Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium)
      • Callas (Zantedeschia)
      • Duftpelargonien/ -geranien (Pelargonium)s
      • Fingerhut (Digitalis)
      • Gartengloxinien (Incarvillea delavayi)
      • Götterblumen (Dodecatheon)
      • Klatschmohn (Papaver rhoeas)
      • Rose 'Veilchenblau' (von 1909)
      • Schafgarben (Achillea)
      Dipl.-Ing.(FH) Thomas Herrgen
      Autor

      Landschaftsarchitekt

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