Gartenbesitzer fördern den Aufschwung

Umsatzsteuersenkung löst viele GaLaBau-Aufträge aus

Unternehmen, die auf Privatgärten spezialisiert sind, melden mehr Aufträge von Gartenbesitzern, die von der Absenkung der Mehrwertsteuer profitieren wollen. Foto: Moritz Lösch, Neue Landschaft

Die vom Bundestag und Bundesrat im Juni verabschiedete vorübergehende Mehrwertsteuer-Senkung von 19 auf 16 Prozent hat dem Garten- und Landschaftsbau viele neue Aufträge gebracht. Den Nutzen haben Unternehmen, die sich auf Privatgärten spezialisiert haben. Der GaLaBau erbringt mit diesem Segment 57,95 Prozent seines Branchenumsatzes. Für alle anderen bringt die Veränderung der Umsatzsteuer nur einen höheren bürokratischen Aufwand.

Bereits Anfang Juni hatte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg prognostiziert, dass es infolge der Senkung der Mehrwertsteuer zu sogenannten Vorzieheffekten kommen werde: "Vor allem größere Anschaffungen, die erst 2021 oder 2022 geplant waren, werden ins Jahr 2020 vorgezogen, um von der Senkung zu profitieren." Der Konsum in Deutschland werde so um 0,5 Prozent im Jahr 2020 wachsen. In den kommenden zwei Jahren werde er dafür um 0,25 Prozent zurückgehen.

Prognose: Anschaffungen werden vorgezogen

Für die Vorzieheffekte verzichtet der Bund auf Einnahmen von rund 20 Milliarden Euro. Doch die scheinen gut angelegt. In Großbritannien hatte die Regierung nach der Finanzkrise von 2008 den regulären Mehrwertsteuersatz für zwölf Monate von 17,5 auf 15 Prozent gesenkt. Der inländische Konsum stieg daraufhin real um gut 1 Prozent.

Die GaLaBau-Unternehmer Paul Saum (l.) und Michael Daldrup haben positive Erfahrungen mit der neuen Mehrwertsteuer gemacht. Fotos: BGL, Gärtner von Eden

Private Aufträge von weit über 100 000 Euro

Bereits eine Woche nach dem Beschluss des Konjunkturpakets meldeten sich im Garten- und Landschaftsbau die Privatkunden. Zunächst fragten sie nach den Modalitäten und schließlich erteilten sie ihre Aufträge. BGL-Vizepräsident Paul Saum aus Hohenfels-Liggersdorf erwartet, dass die Mehrwertsteuer-Senkung dem GaLaBau helfen wird. Sein Betrieb werde die geschäftlichen Ziele in 2020 damit wohl erreichen. Inzwischen zählt er drei Kunden, die mit ausdrücklichem Hinweis auf die Mehrwertsteuersenkung ab Juli Aufträge von weit über 100 000 Euro erteilten. Die gesparte Umsatzsteuer beläuft sich in den konkreten Fällen auf deutlich über 3000 Euro. Üblicherweise nimmt der Kunde außerdem 2 Prozent Skonto fristgerecht in Anspruch.

Michael Daldrup, Aufsichtsratsvorsitzender der Gärtner von Eden, spricht im Zusammenhang mit der Umsatzsteuer-Senkung von einem "warmen Rückenwind, der psychologisch wichtiger ist als der neue Steuersatz". Sein Betrieb in Havixbeck verzeichnete zum 30. Juni eine Steigerung der Kunden-Anfragen gegenüber dem Vorjahr um über 50 Prozent. Immer ging es dabei um die neue Mehrwertsteuer. Einige der Anfrager haben bereits Aufträge im sechsstelligen Bereich erteilt. Weitere werden erwartet.

Die GaLaBau-Unternehmer Matthias Widenhorn (l.) und Maximilian Holthausen berichten ebenfalls nach einer erhöhten Nachfrage wegen der neuen Umsatzsteuer. Fotos: Widenhorn Gärten am See, GrünForm Achtermann

Ersparte Steuer in Outdoor-Küche investiert

Auch GaLaBau-Unternehmer Matthias Widenhorn aus Sipplingen berichtet von einer guten Auftragslage. Auch er wird von Kunden oft gefragt, ob er erteilte Aufträge noch im Rahmen der Mehrwertsteuerabsenkung fertigstellen kann. Sorgen machen ihm dabei die betrieblichen Kapazitäten. Bis Oktober/November könne er große Aufträge noch entgegennehmen, sagt der Unternehmer, doch danach reichten die Kapazitäten bis zum Jahreswechsel nur noch für kleinere Vorhaben.

GaLaBau-Unternehmer Maximilian Holzhausen aus Springe zog wegen der geänderten Mehrwertsteuer einen Auftrag von mehr als einer Viertelmillion Euro an Land. Wegen der ersparten Steuer konnte im konkreten Fall der Nettobetrag des Auftrags erhöht werden. Der Kunde bekommt nun eine komplette Outdoor-Küche zusätzlich. Für Holzhausen steht fest: "Die gesenkte Mehrwertsteuer steigert die Lust, zu investieren."

BGL-Präsident Lutze von Wurmb (l.) und VGL-Bayern-Präsident Gerhard Zäh berichten von gewerblichen und öffentlichen Auftraggebern, die die Mehrwertsteuer eher kalt lässt. Fotos: BGL, VGL Bayern

Öffentliche und gewerbliche Auftraggeber bleiben kühl

Anders sieht es bei GaLaBau-Betrieben aus, die hauptsächlich mit öffentlichen und gewerblichen Auftraggebern arbeiten. BGL-Präsident Lutze von Wurmb, dessen Betrieb in Uetersen vor allem aus dem Wohnungsbau und der öffentlichen Verwaltung stammen, hat keine zusätzlichen Auftragseingänge durch die Absenkung der Mehrwertsteuer festgestellt. "Die Kunden im Wohnungsbau lassen sich davon nicht leiten", sagt er. Zwar sei die Mehrwertsteuer-Umstellung zum 1. Juli ohne größere Probleme möglich gewesen. Doch zum Jahresende erwartet er einen Stau bei den letzten Rechnungslegungen nach gesenktem Mehrwertsteuersatz.

Ähnlich sieht es Bayerns VGL-Präsident Gerhard Zäh, dessen Betrieb in Wassertrüdingen zu 70 Prozent für die öffentliche Verwaltung arbeitet: "Der Aufwand ist höher als der Nutzen." Probleme sieht er besonders in Fällen, wenn Aufträge vor dem 1. Juli begonnen haben oder nach dem 31. Dezember enden. Da fehlten die endgültigen Ausführungsbestimmungen des Bundesfinanzministeriums. Die staatlichen Bauämter in der Region tappten noch immer im Dunkeln. Viele GaLaBau-Unternehmer orientieren sich deshalb an einem Merkblatt der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, das über Grundsätzliches zu den steuerlichen Regelungen im 2. Halbjahr informiert. cm

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 07/2020 .

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