Bei Thilo und Barbara Garschagen ist die Zukunft schon zuhause

VR-Brille transportiert GaLaBau-Kunden direkt ins 3D-Gartenprojekt

Mit der VR-Brille taucht der Kunde ein in eine dreidimensionale Welt, in der er sich frei bewegen und die Gartengestaltung betrachten kann. Grafik: Garschagen GaLaBau

Der gelernte Friedhofsgärtner Thilo Garschagen ist seit 2006 mit seiner Firma "Thilo Garschagen Gärtner aus Leidenschaft" in Remscheid und Umgebung ein gefragter und geschätzter Landschaftsgärtner für Privat- und Gewerbekunden, für Pflege und Neuanlage. Sein Team sind elf Mitarbeiter draußen und eine Mitarbeiterin im Büro. Ehefrau Barbara macht beides: draußen arbeiten und drinnen Gärten planen. 2015 hat die bildende Künstlerin die Visualisierungs-Software Grünstudio 3D für sich entdeckt und seitdem im intensiven Einsatz.

Vollkommene Illusion einer virtuellen Welt

Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, dabei zuzusehen, wie Barbara Garschagen zum ersten Mal durch die VR-Brille in eine künstliche Welt blickt. Klar, es ist für jeden Menschen verblüffend, plötzlich in die vollkommene Illusion einer dreidimensionalen, virtuellen Welt einzutauchen, in der er sehen, hören und sich frei bewegen kann. Doch bei der Landschaftsgärtnerin kommen zwei entscheidende emotionale Faktoren hinzu. Erstens: die 3D-Gartenwelt, in der sie plötzlich steht, hat sie selbst geschaffen. Zweitens: es handelt sich um den Garten ihres Elternhauses. Ihre Begeisterung macht Gänsehaut: "Ich kann gleich unser Haus anfassen. Hier haben wir als Kinder Matratzen ausgelegt und sind vom Balkon gesprungen. Hier liegt eine Packung Reno Menthol auf dem Gartentisch - meine Mutter raucht die nämlich."

Die Zigarettenschachtel ist ein kleines Indiz für die sehr besondere Planungsweise der Künstlerin. Zunächst verwendet sie das Visualisierungsprogramm Grünstudio 3D wie jeder andere auch: "Im Grunde wie in der Wirklichkeit: erst müssen Erdarbeiten gemacht und das Gelände vorbereitet werden." Auf dieser Grundlage entsteht das Haus des potenziellen Auftraggebers, schließlich der Garten, der Gestaltungsvorschlag, die Bepflanzung usw. "Manchmal kopiere ich 3D-Karten oder Katasterpläne aus dem Geoportal NRW in das Gelände und schalte sie auf leichte Transparenz - ein toller Effekt."

Auf dem virtuellen Terrassentisch liegt eine Schachtel Menthol-Zigaretten von genau jener Sorte, die die Mutter raucht. Grafik: Garschagen GaLaBau

In dem Programm, das seinen Ursprung in künstlichen Spiele- und Filmrealitäten hat, definiert sie dann verschiedene Tages- und Jahreszeiten, zeigt die Bepflanzung in verschiedenen Wachstumsphasen oder schaltet das Licht an und aus, um die Wirkung eines Beleuchtungskonzepts zu demonstrieren. Die realitätsnahe Visualisierung hat den Effekt, dass ihr Kunde die Gartenidee nicht nur sieht, sondern richtig erlebt. Ein modernes Verkaufswerkzeug für Landschaftsgärtner, um die erste Planungsidee schnell und wirkungsvoll zu präsentieren."Ich arbeite immer so, dass die Jahreszeit in der virtuellen Realität des Programmes der Jetztzeit entspricht - deshalb blühen hier die Bäume."

Was aber die virtuellen Garschagen-Gärten von anderen Projekten unterscheidet, ist eine geradezu besessene Liebe zum Detail. Ihr Ziel: die zukünftigen Auftraggeber sollen sich in der künstlichen Realität sofort zuhause fühlen und eine emotionale Sogwirkung spüren. Sie erkennen im Projekt ihr Haus, ihr Auto mit Nummernschild, ihre Haustiere, ihre Lieblingspflanzen, -farben und -elemente. Dafür reizt Garschagen die Funktionalitäten der Software soweit aus, dass selbst der Dataflor-Produktmanager staunt, was mit dem Programm alles machbar ist.

Sie zerlegt die Polygone von Pflanzenteilen und anderen Elementen und fügt sie neu zusammen. Sie speichert selbst fotografierte Blütentexturen als benutzerdefinierte Flächentexturab und peppt damit 3D-Blüten auf. Sie fotografiert eine rostige Fläche und nutzt sie als Cortenstahl-Textur. Sie macht ein Foto von der Straßenansicht und kombiniert 2D mit 3D. Für eine Treppenüberdachung baut sie schnell mal ein Gewächshaus auseinander und bastelt sich ein neues Element. Sie kreiert Blumentöpfe aus Poolfliesen, Tischplatten aus Natursteinoberflächen, Platzdeckchen aus Fußabtretern. "Ich habe in der Pflanzenbibliothek nur eine Hochweide, ich brauche aber eine Harlekinweide. Was soll ich machen? Ich baue mir eine."

Mit 3D-Filmen Gartengestaltung verkaufen: detailreiche Beispiele aus dem Planungsalltag. Grafik: Garschagen GaLaBau

"Wir bekommen fast jeden Auftrag"

Wer so arbeitet, hat hohe Ansprüche ans Programm und vor allem an die mitgelieferten Bibliotheken. "Viele Dinge des täglichen Planerlebens vermisse ich. Am liebsten hätte ich im Programm meinen eigenen kleinen virtuellen Baustoffhandel, in dem ich virtuell einkaufen kann." Gibt es bei diesem Detailreichtum nicht gelegentlich Probleme mit einer ebenso detaillierten Vorerwartung, die aus solchen Filmen entsteht? "Ja. Manchmal beschweren sich Kunden: 'das ist jetzt aber nicht wie im Film, da war die Hecke grün.'-'Aber die Hecke ist doch gerade erst gepflanzt, in drei Wochen ist sie grün.'- 'Nein, die soll sofort grün sein.' Solche Menschen gibt es." Ist der hohe Aufwand ihrer Arbeitsweise wirtschaftlich vertretbar? "Unterm Strich ja. Seitdem wir als Team auftreten und mit Grünstudio 3D verkaufen, bekommen wir fast jeden Auftrag." Aber den Zeitaufwand, den sie in ihre 3D-Projekte steckt, genau nachzukalkulieren, das ist fast unmöglich. Denn in der großen Virtuosität und der künstlerischen Herangehensweise an das Programm steckt so viel Leidenschaft, dass man die Zeit vergisst. "Andere Leute machen nach Feierabend Computerspiele und zocken, ich mache eben Dataflor", sagt Barbara Garschagen.

Heike Hoppe

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 08/2017 .

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