Der scheidende BGL-Präsident zieht eine Bilanz seiner Amtszeit

August Forster: "Beim kommunalen Grün bewegt sich was"

Der Präsident reformierte die Arbeit des BGL. Im Präsidium führte er das Ressortprinzip ein. Alle Präsidiumsmitglieder wurden zu Vizepräsidenten. Foto: Laurence Chaperon/BGL

Sechs Jahre hat August Forster den Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau geleitet. In dieser Zeit ist viel geschehen. Im Interview mit der Neuen Landschaft zieht Forster Bilanz zur Reform der Leitungsstrukturen, zur Werbung für das Ehrenamt und um öffentliche Auftraggeber, zum Weißbuch Stadtgrün und zu Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel. Er berichtet über das Bohren dicker Bretter und ein wichtiges berufliches Vorhaben. Das Interview führte Christian Münter.

Als Sie im September 2011 in Koblenz zum BGL-Präsidenten gewählt wurden, hatten Sie angekündigt, die Arbeit des BGL reformieren zu wollen. Das Ressortprinzip im Präsidium sollte gestärkt werden. Alle Präsidiumsmitglieder neben dem Präsidenten wurden Vizepräsidenten. Haben sich die neuen Leitungsstrukturen bewährt?

August Forster: Die angekündigten Änderungen haben wir in der Tat umgesetzt: Jedes Mitglied des Präsidiums hat mehr Verantwortung für sein Ressort übernommen, sowohl nach innen, als auch nach außen. Ich bin überzeugt davon, dass nicht nur die Arbeit im Präsidium, sondern auch die gesamte Branche davon profitiert.

2014 warben Sie verstärkt um Unternehmer, die bereit sind, sich ehrenamtlich für die grüne Branche zu engagieren. Dabei sollten alle Altersgruppen angesprochen werden. Ist das gelungen?

August Forster: Ja, wir haben Unternehmer für das Ehrenamt gewinnen und qualifizieren können. Dafür setzen wir auf Bundesebene ganz unterschiedliche Maßnahmen ein, zum Beispiel das GaLaBau-Camp und die Juniorenseminare, mit denen wir gezielt junge Menschen ansprechen. Eine wichtige Rolle spielen dabei natürlich auch die bereits im Verband ehrenamtlich engagierten Personen. Wenn sie mit ihrer Arbeit überzeugen und begeistern, fühlen sich auch andere Menschen motiviert, sich zu engagieren.

2011 übernahm August Forster in Koblenz das Präsidentenamt von seinem Vorgänger Hanns-Jürgen Redeker. Foto: Lothar Berns/BGL

Ihr ausgeprägtes Gespür für Marketing ließ Sie bereits 2012 die öffentlichen und kommerziellen Auftraggeber ins Visier nehmen. Sie präsentierten den GaLaBau als umweltorientierte Branche. Später brachten Sie sich mit dem BGL in das Weißbuch Stadtgrün ein und ließen einen Pop Up Park durch Deutschland touren.

August Forster: Die Städte stehen vor großen Herausforderungen. Nehmen Sie nur die aktuelle Dieseldiskussion. Die Kommunen brauchen nachhaltige Lösungen für die Luftreinhaltung. Hier kann Grün einen Beitrag leisten. Aber auch bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels oder für die Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung punktet städtisches Grün. Aus diesem Grund harben wir unsere Charta Zukunft Stadt und Grün sowie die Kampagne Urbanes Grün entwickelt, aus der dann die Initiative Grün in die Stadt wurde.

Mit unserem Pop Up Park, der durch Deutschland tourt, suchen wir das Gespräch mit den Stadtverwaltungen und den Bürgern vor Ort. Dieses Format war im letzten Jahr übrigens so erfolgreich, dass wir es in diesem Jahr fortgeführt haben. Viele unserer Positionen konnten wir im aktuellen Weißbuch Zukunft Stadtgrün einbringen. Aber jetzt gilt es, dass die Maßnahmen des Weißbuchs auch umgesetzt werden.

Forster kümmerte sich um das Berufsbild. Kasseler Landschaftsarchitektur-Studenten erklärte er den GaLaBau. Foto: Neue Landschaft

Anfang des Jahres verlangten Sie, die Entwicklung und Instandhaltung städtischen und kommunalen Grüns "als öffentliche Pflichtaufgabe", als Teil der sogenannten Daseinsvorsorge, zu kennzeichnen. Sind Sie dabei etwas weiter gekommen?

August Forster: Für das Bohren von dicken Brettern braucht man immer etwas mehr Zeit. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Städte und Gemeinden, die ja alle sehr unterschiedliche Ausgangspositionen haben. Ich denke da beispielsweise an die Finanzsituation oder auch daran, dass es in einigen Verwaltungen schon gar keine Grünflächenämter mehr gibt.

Ich sehe aber, dass in immer mehr Kommunen erkannt wird, dass das öffentliche Grün ein hoher positiver Standortfaktor für die Wirtschaft, für die Unternehmensansiedlungen und das Wohlbefinden der Bürgerinnen und Bürger ist. Ja, da bewegt sich was.

In Ihrer Amtszeit wurde der Fachkräftemangel zu einem drängenden Problem. Sie machten die Aus- und Weiterbildung zu einem BGL-Schwerpunkt, warben an Hochschulen für Nachwuchs, starteten eine von Marktforschern vorbereitete Azubi-Werbekampagne und setzten Willkommenslotsen zur Integration von Geflüchteten ein.

August Forster: Bildung ist eine wichtige Zukunftsinvestition, und da müssen wir am Ball bleiben und immer wieder junge Menschen für diesen tollen Beruf des Landschaftsgärtners begeistern. Und da haben wir ja auch einiges zu bieten - von der Pflanze bis zur Digitalisierung.

Ich nenne einmal ein paar Beispiele: das Online-Berichtsheft, das der Arbeitsweise junger Menschen viel mehr entspricht als die guten alten analogen Berichtshefte, die attraktiven neuen Motive in unserer Nachwuchswerbung und der BGL-Bildungspreis, mit dem Leistungen junger Auszubildender gewürdigt werden. Gerade auf den Bildungspreis sind wir besonders stolz, weil er Wertschätzung gegenüber den Auszubildenden ausdrückt und auch andere junge Menschen in unserer Branche dazu motiviert, ihr Bestes zu geben.

Manchmal haben Sie auch an die GaLaBau-Unternehmer appelliert, betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten nicht zu vergessen. So plädierten Sie 2014 für eine Stärkung der Eigenkapitalquote. 2015 erinnerten Sie daran, dass die Ansprüche der Privatgartenkunden gestiegen sind und ohne gute Beratung kein Garten mehr zu verkaufen ist. Was raten Sie ihren Kollegen heute?

August Forster: Nun, in kann Ihnen natürlich nicht sagen, ob mein Appell an die Betriebsführung erfolgreich war. Ich schaue ja nicht in die Bücher der Kollegen. Ich habe allerdings aus vielen Gesprächen mit meinen Berufskollegen den Eindruck gewonnen, dass die gute Konjunktur auch genutzt wird, um die Betriebe wirtschaftlich und technisch auf die Zukunft einzustellen. Und mit unserer Image- und PR-Kampagne im Rücken sehe ich auch, dass wir heute ein hohes Niveau in der Beratung im Privatkundenmarkt erreicht haben.

Der Präsident platzierte Forderungen der grünen Branche im politischen Diskurs. Zum Jubiläumskongress 2014 war Kanzleramtsminister Peter Altmaier der Hauptredner. Mit dabei: Der damalige BGL-Hauptgeschäftsführer Hermann J. Kurth (l.). Foto: Laurence Chaperdon/BGL

Manchmal haben Sie auch an die GaLaBau-Unternehmer appelliert, betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten nicht zu vergessen. So plädierten Sie 2014 für eine Stärkung der Eigenkapitalquote. 2015 erinnerten Sie daran, dass die Ansprüche der Privatgartenkunden gestiegen sind und ohne gute Beratung kein Garten mehr zu verkaufen ist. Was raten Sie ihren Kollegen heute?

August Forster: Nun, in kann Ihnen natürlich nicht sagen, ob mein Appell an die Betriebsführung erfolgreich war. Ich schaue ja nicht in die Bücher der Kollegen. Ich habe allerdings aus vielen Gesprächen mit meinen Berufskollegen den Eindruck gewonnen, dass die gute Konjunktur auch genutzt wird, um die Betriebe wirtschaftlich und technisch auf die Zukunft einzustellen. Und mit unserer Image- und PR-Kampagne im Rücken sehe ich auch, dass wir heute ein hohes Niveau in der Beratung im Privatkundenmarkt erreicht haben.

Wie geht es jetzt mit August Forster weiter? Werden Sie und Ihr Know-how dem BGL irgendwie erhalten bleiben?

August Forster: Ich habe insgesamt fast 38 Jahre ehrenamtliche Arbeit für unseren Berufsstand geleistet. Meine Auffassung ist, man sollte aufhören wenn die Menschen "schade" sagen und nicht wenn sie sich freuen wenn man geht. Wenn meine Meinung oder mein Rat gefragt werden sollte, so werde ich selbstverständlich zur Verfügung stehen. Was ich nicht tun werde ist, mich von außen zu Verbandsthemen äußern.

Mit Ihrem GaLaBau-Betrieb sind Sie in den letzten Wochen an den Bonner Stadtrand nach Alfter gezogen. Dort war bisher die Pflegeabteilung mit etwa 50 Prozent der Mitarbeiter beheimatet. Was ist der Hintergrund?

August Forster: Wir waren bislang an drei Standorten ansässig. Mit dem Umzug nach Alfter haben wir eine Zentralisierung vorgenommen, welche Arbeitsabläufe und selbstverständlich auch Kosten optimieren werden. Wir tragen damit aber auch dem heutigen Kundenwunsch nach einem gesamtheitlichen Konzept Rechnung. Außerdem steht die nächste Forster-Generation bereit. Und die hat ihr eigenes Konzept der Unternehmensführung. TR

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 09/2017 .

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