Kontrastreiche Halbzeitbilanzen der Landesgartenschauen

Enttäuschung in Bad Schwalbach, Euphorie in Lahr und Bad Iburg

Das Schwarzwaldstädtchen Lahr ist zur Halbzeit diesjähriger Landesgartenschau-Spitzenreiter. Bereits vor derHalbzeit begrüßte man den 400.000 Besucher vor Ort. Foto: LGS Lahr 2018

Großes Gefälle in der Publikumsgunst: Die fünf diesjährigen Landesgartenschauen (LGS) in Bad Iburg (Niedersachsen), Bad Schwalbach (Hessen), Burg (Sachsen-Anhalt), Lahr (Baden-Württemberg) und Würzburg (Bayern) haben jüngst "Bergfest" gefeiert - während zwei Gartenschauen voll im Soll lagen, war mancherorts die Feierlaune durch enttäuschende Besucherzahlen getrübt.

Die "Rote Laterne" geht an Bad Schwalbach

Vor allem die hessische Gartenschau macht zur Halbzeit eine unglückliche Figur: Mit dem ambitionierten Ziel gestartet, 500000 Zuschauer nach Bad Schwalbach zu locken, standen im Juli gerade einmal 150000 zahlende Gäste zu Buche. Zwar versucht Geschäftsführer Michael Falk, die ernüchternden Zahlen mit einem Verweis auf die überdurchschnittlich lange Verweildauer der Gäste zu relativieren. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gartenschau mit dem Motto "Natur erleben. Natürlich leben" bislang weit hinter den Erwartungen zurückbleibt.

In Würzburg liegt man leicht hinter den Erwartungen zurück. Foto: Milena Schlosser, LGS Würzburg

Würzburg und Burg: Erfolge auf den zweiten Blick

Auch in Würzburg können die Verantwortlichen bisher nicht vollends zufrieden sein. Zwar stellt die bayerische Gartenschau unter dem Leitspruch "Wo die Ideen wachsen" in Form der "Tiny Houses" (dt.: Kleinsthäuser) einen extravaganten Wohntrend vor - doch die angestrebte Besuchermarke zur Halbzeit, 500000, wurde um 150000 Besucher verfehlt. Ob bis zum Ende der Veranstaltung noch die angestrebten 950000 Gäste ihren Weg ins Fränkische finden werden, ist ungewiss. Die Verantwortlichen vor Ort zeigen sich allerdings optimistisch. Schließlich stünden "die besucherintensiven Monate Juli und August" erst noch an. Außerdem, so Pressereferentin Carmen van Musscher, habe man anfänglich Schwierigkeiten meistern müssen: Schnee bis zwei Wochen vor Toröffnung und große Trockenheit in den Folgemonaten. Nun, da der Sommer sich von seiner besten Seite zeigt, erwarte man einen Anstieg der Besucherzahlen. Ein gutes Omen gab es außerdem von Beginn an: Der Dauerkartenverkauf war um einiges erfolgreicher als kalkuliert.

Die Verantwortlichen der LGS Bad Iburg, darunter Henning Sannemann von der Fördergesellschaft Landesgartenschauen Niedersachsen (2. v.l.), können zufrieden sein: Zur Halbzeit stehen bereits 273000 Gäste zu Buche. Foto: Imma Schmidt, LaGa Bad Iburg 2018 gGmbH

Statt der erwarteten 15000 konnte die LGS Würzburg 23000 absetzen - ein klares Signal, dass "die Einheimischen ihre Gartenschau annehmen", so van Musscher. Auch im Sachsen-anhaltinischen Burg offenbart sich der Erfolg eher auf den zweiten Blick. Die dortige Gartenschau-Geschäftsführerin Sonnhild Noack beklagte, dass "jeder Tag über 30 Grad wie ein Regentag" sei. Angesichts der immensen Hitze, die den Nordosten Deutschlands seit Monaten fest im Griff hat, ein nicht zu unterschätzender Einflussfaktor. Bislang kamen rund 200000 Gäste, 400000 bis 500000 sollen es am Ende sein. Allerdings stehen bei der LGS Burg kurz nach der Halbzeit bereits 360 Gruppenbuchungen auf der Habenseite - angestrebt waren 350 über den gesamten Veranstaltungszeitraum.

"Die Lahrer lieben ihre Landesgartenschau"

Keinen Grund zu klagen haben die Verantwortlichen in Baden-Württemberg und Niedersachsen. Die Bürgermeisterin von Bad Iburg, Annette Niermann, bezeichnete sich angesichts der starken Halbzeitbilanz von 273000 Besuchern (500000 sollen es bei Torschluss sein) als "stolzeste Bürgermeisterin in Niedersachsen in diesem Jahr". Landmarken wie der Wasserbrunnen mit 50 Fontänen inmitten des modern angelegten Kneipp-Erlebnisparks sowie der barriefreie Baumwipfelpfad haben sich in Bad Iburg als wahre Publikumsmagneten erwiesen.

Halbzeitbilanzen: Besucherzahlen der Gartenschauen 2018. Grafik: Neue Landschaft

Eindrucksvolle Zahlen gibt es auch aus dem Schwarzwaldstädtchen Lahr zu vermelden: Bereits Anfang Juli begrüßte man den 400000. Besucher vor Ort, Anfang August standen schon 550000 zahlende Gäste zu Buche. Ulrike Karl, Geschäftsführerin der Landesgartenschau Lahr 2018 GmbH, zeigte sich hochzufrieden: "So haben wir uns das vorgestellt, die Zahlen passen zu unseren Prognosen." LGS-Geschäftsführer Tobias de Haen stellte heraus, dass die Lahrer "ihre Gartenschau lieben". Beleg dafür sei der hohe prozentuale Anteil von Einheimischen beim Dauerkartenverkauf: Knapp 70 Prozent. Somit haben die Anwohner einen entscheidenden Anteil daran, dass die Anzahl der verkauften Dauerkarten - 20500 - leicht über der anfänglichen Prognose von 20000 liegt. Die 800000er-Besucher-Marke, die sich die Verantwortlichen bis Mitte Oktober als Ziel gesteckt haben, erscheint angesichts des bereits Erreichten zum Greifen nah. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Für den Augenblick gilt: Lahr kann sich über die beste Zwischenbilanz der diesjährigen Landesgartenschauen freuen. Ein Status Quo, der das Motto der Gartenschau "wächst-lebt-bewegt" umso überzeugender macht.

Hendrik Behnisch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 08/2018 .

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