Forschung und Entwicklung

Leitfaden für regionaltypische Biodiversität auf Gründächern

Erprobte Wildpflanzensaatmischung des Nordwestdeutschen Sandtrockenrasens für extensive Dachbegrünungen. Foto: Daniel Jeschke,

Dachbegrünungen haben sich seit langem in der nachhaltigen Stadtentwicklung etabliert. Doch ihr ökologischer Wert ist abhängig von der Artenvielfalt der angesiedelten Flora und Fauna. Der Gründach-Systemhersteller ZinCo forscht seit Jahren gemeinsam mit der Hochschule Osnabrück im Bereich der Biodiversität und wirft den Blick noch ein Stück weiter, nämlich auf die regionaltypische Biodiversität. Nun ist als Ergebnis des Forschungsprojekts RooBi ("Roofs For Biodiversity") ein "Leitfaden für die Praxis" erschienen.

Er dient allen Interessierten aus dem Garten- und Landschaftsbau, der Stadt- und Landschaftsplanung sowie aus dem Naturschutz als erst- und einmalige Wissensgrundlage über extensive Dachbegrünung mit gebietseigenen Wildpflanzen, und zwar am Beispiel von Nordwestdeutschland. Denn im Fokus des Forschungsprojektes RooBi stehen Nordwestdeutsche Sandtrockenrasen als regionaltypische Vegetationsform.

Das Projekt RooBi wurde von 2017 bis 2020 mit eigenen Versuchsflächen an der Hochschule Osnabrück und Umgebung bearbeitet. Ergänzt wurden die Untersuchungen durch ein neu gebautes Hallendach der Firma Friedrich Lütvogt GmbH & Co. KG Mineralbrunnenbetrieb im niedersächsischen Wagenfeld. Dank des großen Umweltschutz-Engagements der Firma profitiert die Forschung von sage und schreibe 10 000 m² Erprobungsfläche, die im Rahmen des Folgeprojekts "DaLLi - extensive Dachbegrünungen in urbanen Landschaften als Lebensraum für Insekten" auch einem langfristigen Monitoring untersteht.

Mit dem "Leitfaden für die Praxis" glückt nun der Sprung aus der RooBi-Forschung in die Anwendung, denn er enthält wichtige Informationen über die Auswahl (Artenliste) und Beschaffung geeigneter Wildpflanzen - sei es als Saatgut eines auf Wildpflanzen spezialisierten Vermehrers oder als Rechgut von lokalen Spenderflächen (in Abstimmung mit Naturschutzbehörden). Darüber hinaus geht es um vegetationstechnische Anforderungen der Wildpflanzen zum Beispiel hinsichtlich Schichtaufbau, Substratart/ -höhe, Wasserbedarf und Pflege.

Regionaltypische Wildpflanzen stellen immer auch ein ganz spezielles Nahrungsangebot für regionaltypische Tierarten dar, beispielsweise für Wildbienenarten. Daher informiert der Leitfaden auch über Biodiversitäts-Module auf Gründächern wie Totholz, Sandlinsen, Kiesbeete und Wasserflächen, welche Insekten und Vögel als Lebensraum dienen. Schließlich zeigt der Leitfaden allgemeine finanzielle Fördermöglichkeiten für Dachbegrünung auf und spricht auch andere Praxisbeispiele an, wie das "Hamburger Naturdach".

Die Forschung begrenzte sich im Übrigen nicht auf die Neuanlagen von Dachbegrünungen, da ein großes Potential auch in den bestehenden teilweise artenarmen Dachbegrünungen liegt. Mit den entwickelten Wildpflanzensaatmischungen und der nachträglichen Installation von Biodiversitäts-Modulen lassen sich auch diese naturschutzfachlich aufwerten.

cm/ZinCo

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 07/2021 .

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