2018: Ein Trockenstress-Jahr für die Bäume

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Trockenstress: Die eingerollten grünen Blätter einer Esche bei Marburg nach andauernder Trockenheit und Hitze in diesem Sommer. Fotos: Dirk Dujesiefken

Der Sommer 2018 war in vielen Teilen Europas mit seinen hohen Temperaturen und der langanhaltenden Trockenheit außergewöhnlich. Über manche Folgen wurde in den Medien mehrfach berichtet: über Ernteausfälle in der Landwirtschaft, brennende Wälder sowie Blaualgen in Badeseen und in der Ostsee. Über Bäume, besonders die in den Städten, wurde jedoch kaum gesprochen. Darüber sprachen wir mit Prof. Dr. Dirk Dujesiefken vom Institut für Baumpflege in Hamburg.

Dirk Dujesiefken: Feuer ist immer auffällig und dramatisch und deshalb eine Meldung wert. Worüber kaum berichtet wurde ist der Trockenstress. Zusätzlich können auch die Sonnenstrahlung sowie hohe Ozonwerte die Baumkronen stressen. Nur ein geübtes Auge erkennt die Folgen. Am auffälligsten ist der vorzeitige Laubfall.

Über brennende Wälder wurde berichtet. Waren das die einzigen Gefahren für Bäume in diesem Jahr?

Welche Bäume sind am stärksten gefährdet?

Dirk Dujesiefken: Ganz generell sind dies die Jungbäume; sie haben nur ein kleines Wurzelwerk und haben damit weiniger Zugang zu Wasser im Boden. Sind die Bäume erst vor kurzem gepflanzt worden, sind sie zusätzlich geschwächt, da durch Umpflanzungen stets auch Wurzelwerk verloren geht und damit noch weniger Wasser und Nährstoffe aufgenommen werden können.

Kann man nicht durch Gießen Abhilfe schaffen?

Dirk Dujesiefken: Das hilft, trotzdem kann man noch Ausfälle haben - selbst in normalen Jahren. Das Problem bei frisch gepflanzten Bäumen ist das reduzierte Wurzelvolumen. Die Pflanze verdunstet bei hohen Temperaturen mehr als diese über die vorhandenen Wurzeln aufnehmen kann. Das führt zu Trockenstress. Gießen ist somit sehr wichtig. Ich möchte aber besonders darauf hinweisen, dass auch der richtigen Pflanzvorbereitung und der Pflanzung selbst eine hohe Bedeutung zukommt.

Können Sie das erläutern?

Dirk Dujesiefken: In einem Sommer wie in diesem Jahr zeigen sich außer dem Trockenstress auch die fachlichen Fehler der Planung und Ausführung deutlicher als sonst. Allgemein bemüht man sich, so viele Bäume wie möglich an einen Standort, beispielsweise eine neue Straße oder eine neue Grünanlage zu pflanzen. So entstehen gute und weniger gute Pflanzstandorte. Vergleicht man im Juli und August die Kronen der Bäume mit kleinerer und größerer Baumscheibe, erkennt man meist schon deutliche Unterschiede. Die Bäume mit kleinerem Wurzelraum sind meist kleinlaubiger, helllaubiger und verlieren eher ihre Blätter als die benachbarten, gleichaltrigen Bäume. Durch eingehende Untersuchungen können noch weitere Einflussfaktoren ermittelt werden. Aus meiner gutachterlichen Praxis kann ich sagen, dass häufig die Baumgruben nicht tief genug ausgehoben wurden, das eingebrachte Substrat nicht optimal ist und dass der pH-Wert des Bodens zu hoch ist.

Gibt es auch bei Altbäumen Probleme?

Dirk Dujesiefken: Hat sich der Baum am Standort etabliert, ist er weniger empfindlich. Die verschiedenen Arten aber reagieren unterschiedlich. Wir wissen, dass beispielsweise einige Arten den Trockenstress sofort anzeigen, andere dagegen erst im folgenden Jahr. Das Jahr 1976 war auch sehr trocken gewesen. Damals ließen die Buchen bereits im Sommer das Laub fallen und manche Förster befürchteten, dass die Bäume absterben würden. Der Austrieb im Folgejahr war jedoch weitestgehend normal. Die Buche hatte aufgrund der Trockenheit die Vegetationszeit des Vorjahres nur verkürzt. Dagegen sahen die Eichen im Spätsommer des Trockenjahres unauffällig aus, zeigten aber im Folgejahr einen schwächeren Austrieb. Derselbe Trockenstress hatte somit unterschiedliche Schadbilder zur Folge. Um diese artbedingten Unterschiede zu verstehen werden zurzeit mehrere Forschungsvorhaben durchgeführt.

Der Klimawandel ändert die Rahmenbedingungen für die Pflanzen. Kann man schon jetzt sagen, welche Art der Zukunftsbaum sein wird?

Dirk Dujesiefken: Den einen Zukunftsbaum gibt es nicht und wird es nicht geben. Gäbe es die eine Art, würden nur noch Monokulturen entstehen. Dann wären wir noch weiter entfernt von einer Biodiversität und würden bei Kalamitäten noch mehr Probleme bekommen. Das ist also nicht der Weg. Wir müssen stattdessen die Vielfalt wiederentdecken. An mehreren Orten werden Untersuchungen durchgeführt, um "neue" Arten bzw. Sorten zu testen. Es geht um Bäume, die hier bei uns bislang nicht bekannt waren, aber in ihrer Heimat wärmere und trockenere Standorte gewohnt sind. Diese Untersuchungen waren bereits mehrfach Thema auf den Deutschen Baumpflegetagen in Augsburg. 2017 wurden erste Ergebnisse aus dem Projekt "Stadtgrün 2021" umfassend vorgestellt. Von dieser und anderen Studien lernen wir viel, zunächst vor allem, welche Arten wenig Chance haben zu überleben in unseren Städten und an Straßen. Ob die Arten, die sich jetzt positiv zeigen, sich überall in Deutschland gut entwickeln können, bleibt abzuwarten. Erst die extremen Jahre, wie jetzt 2018, führen uns zu der Erkenntnis, ob bestimmte Arten auch tatsächlich für die neuen Herausforderungen geeignet sind oder nicht.

Was ist Ihre Empfehlung für die Praktiker, die heute eine Entscheidung treffen müssen?

Dirk Dujesiefken: Wer jetzt bei Planung auf Vielfalt setzt, hat die richtige Strategie. Es werden dann zwar nicht alle überleben, es wird aber auf jeden Fall keine Totalausfälle geben, egal ob es sich um Trockenheit oder um Schadorganismen handelt wie jetzt aktuell beim Eschentriebsterben. Wir sind mitten in einem Lernprozess.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe ProBaum 03/2018 .

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