Teil 2: Staudenmischpflanzungen für halbschattige Standorte

Licht ins Dunkel

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"Goldsaum": Im Hochsommer dominiert das warme Goldgelb der robusten Hemerocallis-Sorte 'Aten'. Das Solitärgras Molinia arundinacea 'Fontäne', die hier bereits Ihre Rispen ausbildet, sorgt dann im Herbst mit ihren grafisch gezeichneten, zwei Meter hohen Halmen für goldgelbe Effekte in der Pflanzung. Foto: Andreas Adelsberger

Neben den robusten Staudenmischpflanzungen für den Schatten wurden in Veitshöchheim auch vier Mischungen für Saumstandorte konzipiert. Diese sind zwar etwas anspruchsvoller als die Erstgenannten, dafür bringen die Saummischungen mit zahlreichen Blütenaspekten Farbe in die Pflanzfläche und das bis weit in den Herbst hinein.

Während die fünf Veitshöchheimer Konzeptmischungen für den Schatten bereits in der Neuen Landschaft 09/2017 vorgestellt wurden, stehen in dieser Ausgabe die blütenreichen Saummischungen im Vordergrund. Diese vier Mischungen tragen das Präfix "Saum-" im Namen: "Goldsaum", "Brautsaum", "Lila-Laune-Saum"und "Rubinsaum". Die Veitshöchheimer Saummischungen sind höher, blütenreicher und repräsentativer als die Stauden-Konzepte für den Schatten, dafür aber auch etwas anspruchsvoller an den Standort hinsichtlich Bodenfeuchtigkeit und Helligkeit.

Mit den Saummischungen, die wie die Schattenkonzepte an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim seit 2009 in zwei Phasen getestet und optimiert wurden, lassen sich Pflanzflächen abwechslungsreich und in unterschiedlichen Farbkonzepten gestalten. Obwohl die Saummischungen anspruchsvoll aussehen, sind sie sehr pflegeleicht. Damit verursachen sie keine höheren Kosten als bisherige Bepflanzungen. Neben dem öffentlichen Grün, können die hier vorgestellten Staudenkonzepte auch in Privatgärten oder auf Flächen in Gewerbegebieten eingesetzt werden.

„Brautsaum“: Das Duo aus Hosta 'Minuteman' und Heuchera 'Plum Pudding' überzeugt die ganze Vegetationsperiode über mit auffälligem Blattschmuck, der ergänzt wird durch das feine Laub von Epimedium grandiflorum 'Nanum' und Adianthum pedatum 'Miss Sharples'. Foto: Andreas Adelsberger

„Goldsaum“: kontrastreicher Frühlingseffekt mit hellen Gelbtönen von Euphorbia polychroma, Heuchera 'Citronelle', Tulipa 'Moonlight Girl' und dem Blauton von Hyacinthoides hispanica 'Excelsior'. Die reinweiße Narzissen-Sorte 'Pueblo' vermittelt und sorgt mit Ihren feinen Blütenköpfen für Leichtigkeit in der Frühlingspflanzung. Foto: Andreas Adelsberger

An Stelle einer aufwändigen Pflanzplanung tritt eine standortgerecht definierte Rezeptur aus verschiedenen Stauden, Gräsern und Zwiebelpflanzen.

Charakter der Saummischungen

Während die Schattenmischungen mit einem hohen Anteil an niedrigen Blattschmuckstauden eher ruhig und harmonisch wirken, überzeugen die in verschiedenen Höhenstufen konzipierten Saummischungen durch Üppigkeit und Blütenfülle vom Frühjahr bis zum Herbst. Doch auch sie sorgen mit interessanten Strukturen, Laubtexturen und -farben auch außerhalb der Blütezeit für eine ansprechende Wirkung. Wird leicht gruppiert gepflanzt, entstehen Kompositionen, die einen fast beetartigen Charakter aufweisen. Besonders farbenprächtig gestaltet sich das Frühjahr bei allen Mischungen- zwischen März und Mai sorgen viele Kleinblumenzwiebeln sowie Tulpen und Narzissen für einen Farbenrausch.

Auch wenn der Veitshöchheimer Brautsaum, wie schon der Name schließen lässt, aus vorwiegend weißblühenden Stauden besteht, besticht die Mischung durch auffällige Blattkontraste. So setzen weiß panaschierte Hosta-Blätter der Sorte 'Minuteman' Kontrapunkte zu dunkelroten Heuchera-Sorten, fein texturierter Frauenhaarfarn zu großen derben Bergenienblättern. Die bis zu 80 cm hohe Mischung ist geprägt durch verschiedene Gräser und weiße Japan-Anemonen. Gillenia trifoliata, Myrrhis odorata oder Molinia 'Heidebraut' bringen den für diese Mischung obligatorischen Schleieraspekt.

Der bis ca. 100 cm hohe Lila-Laune-Saum spielt mit Farbtönen zwischen weiß, rosa, pink und violett; insbesondere Heuchera-Arten bringen dunkelviolette Farbaspekte auch außerhalb der Blütezeit. Purpur-Ziest, die elegante Päonien-Sorte 'Bowl of Beauty' und Herbstanemonen geben der Mischung eine rosa-lila Blütenfülle. Camassia sorgen im Mai und Cimicifuga 'Brunette' im September mit Ihren weißen Kerzen für besondere Highlights.

Gelbe Farbtöne in allen Variationen finden sich im Veitshöchheimer Goldsaum, sowohl in Blüten als auch in Blättern, gelegentlich kontrastiert durch violette Blütenfarben wie die von dem dankbaren Geranium renardii 'Terre Franche'. Unter den gelbblühenden Spezies seien besonders drei verschiedene Taglilien-Sorten genannt, die zeitversetzt zwischen Ende Mai und August das Thema der Pflanzung spiegeln. Einige weißblühende wie Amemone 'Honorine Jobert' oder Bistorta 'White Eastfield' bringen Leichtigkeit in die Pflanzung. Im Herbst regnet das elegante hohe Pfeifengras eindrucksvolle Fontänen in goldgelber Färbung.

„Brautsaum“: Tulipa 'Spring Green', weiße Narzissen und duftiges Lathyrus vernus 'Alboroseus' sorgen im April mit ihren Weiß- und Rosa-Tönen für Hochzeits-Feeling. Foto: Andreas Adelsberger

Die expressivste Saummischung ist zweifelsohne der Veitshöchheimer Rubinsaum. Hier tummeln sich Farbtöne in allen Rotschattierungen kombiniert mit orange und weiß. Eindrucksvoll erhebt sich der weißgestreifte Miscanthus 'Morning Light' mit seiner Höhe von 1,50 m über die Palette zahlreicher Rottöne von Blättern und Blüten. Von der kräftig rosafarbenen Echinacea über dunkelrostrote Hemerocallis bis hin zu rubinroten Paeoniape regrina spannt sich der Farbreigen, in den sich auch mehrere Heuchera-Sorten, die mit ihren dekorativen Blättern auch außerhalb der Blütezeit für Farbe sorgen, einreihen. Wenn auch die Liliensorte 'Claude Shride' einige Jahre braucht, um zu Höchstform aufzulaufen, lohnt sich die Wartezeit: in eindrucksvollem Rubinrot thematisieren ihre edlen Blüten den Mischungsnamen im Sommer wie keine andere Pflanze. Abgelöst wird die Lilienblüte im Spätsommer von Bistorta 'Blackfield', die bis weit in den Herbst hinein das Farbthema mit ihren besonders dekorativen Blütenkerzen weiterträgt.

Pflanzstandorte

Ideale Pflanzstandorte sind überwiegend frische, nährstoffreiche, schwach humose, leicht bindige Böden in ost-, nord- beziehungsweise nordwestseitiger Lage von Gebäuden, Mauern, Hecken oder größeren Gehölzen. Es sollte darauf geachtet werden, dass die entsprechenden Pflanzflächen keine allzu stark konkurrierenden Gehölze enthalten. Solche würden durch Wurzeldruck die Staudenpflanzungen schwächen.

Die hier vorgestellten Staudenkompositionen eignen sich generell für Regionen mit mindestens circa 650 bis 700 mm Niederschlag pro Jahr, wenn auf regelmäßige Bewässerung verzichtet werden soll. Die eingewachsenen Saummischungen überstehen kürzere Trockenphasen ohne Probleme. Im Veitshöchheimer Versuch wurden die Pflanzungen lediglich in extremen Trockenperioden gewässert und bildeten bereits nach etwa zwei Jahren eine geschlossene Vegetationsdecke aus.

Für den Erfolg einer solchen Pflanzung ist eine sorgfältige Bodenvorbereitung natürlich unerlässlich. Der Boden sollte locker, durchlässig und frei von Wurzelunkräutern sein, ansonsten ist ein Bodenaustausch ratsam. Empfehlenswert ist hier ein 20 bis 30 cm starkes Substrat-Gemisch aus Oberboden, Sand und Kompost. Alternativ können auch industriell vorgemischte Staudensubstrate (z.B. Hydralit S von Tegra) verwendet werden. Bei schweren Lehm- und Tonböden ist eine Strukturverbesserung mit Sand, Splitt, Kies beziehungsweise Schotter in Korngrößen von 2 bis 16 mm ratsam. Als organischer Bodenverbesserer, insbesondere für sehr leichte, sandige Böden, empfiehlt sich die Einarbeitung von Kompost. Die Saummischungen sollten, wie alle anderen Pflanzungen auch, gemulcht werden. Wie sich in verschiedenen Versuchen gezeigt hat, ist das Aufbringen einer 5 bis 7 cm starken Mulchschicht für Stauden ideal, da es die Bodenfeuchtigkeit länger hält und für einige Zeit das Aufkommen von Samenunkräutern unterdrückt ohne die Stauden selbst zu ersticken. Je nach Gestaltungsanspruch können neben Rindenhumus oder Miscanthus-Häcksel auch Gesteinsmulche verwendet werden. Kiese und Splitte (Körnung 8 bis 16 mm) sorgen zum Beispiel in Gebäudenähe als Mulch-Auflagen mit ihrer strukturierten Oberfläche auch im Winter für ein sehr ansprechendes Bild.

"Lila-Laune": Im Sommer trägt Stachys grandi-flora 'Superba' das Farbthema der Mischung, ergänzt mit dunkelvioletten Blattfarbtupfern von Cimicifuga 'Brunette'. Foto: Andreas Adelsberger

"Rubinsaum": die rubinroten Kerzen von Bistorta 'Blackfield' sorgen in Kombination mit den leuchtstarken Rosa-Tönen von Echinacea 'Pica Bella' und Anemone 'Bressingham Glow' für expressive Farbstimmungen im Spätsommer. Foto: Andreas Adelsberger

Pflanzdichte

Ein durchschnittlicher Pflanzenbesatz von sechs bis sieben Stauden pro Quadratmeter ist ausreichend, um eine flächendeckende Begrünung innerhalb von zwei bis drei Jahren zu erreichen. Bei größeren Flächen wird das Auslegen erleichtert, wenn die Arten schon vorgemischt von der Staudengärtnerei geliefert werden. Größere Pflanzflächen können zusätzlich durch einzelne, farblich passende Gehölze gegliedert werden. Die Flächengröße sollte mindestens 20 m² betragen damit die Vielfalt der Stauden in den Saummischungen zur Geltung kommen kann. Für repräsentative Bereiche ist aufgrund der besseren Wirkung in den Anfangsjahren zu empfehlen, Gerüstbildner in Solitärqualität (2-10 l-Container) zu bestellen. Werden wie vorgeschlagen reichlich Blumenzwiebeln in die Mischungen eingearbeitet, ist das ein Garant für einen Farbenrausch zwischen März und Mai, wenn die meisten Stauden noch sehr niedrig und ohne Blüte sind. Für die Saummischungen sind rund 30 Blumenzwiebeln pro Quadratmeter vorgesehen. Vor allem die Kleinblumenzwiebeln werden sich in den Jahren nach der Pflanzung weiter ausbreiten und im Laufe der Zeit große Blütenteppiche bilden.

Pflanzung

Bei der Pflanzung nach dem Zufallsprinzip werden die Stauden gleichmäßig über die Pflanzflächen verteilt. Begonnen wird mit der Pflanzenart in niedrigster Stückzahl, den Gerüstbildnern, dann werden mit Begleitstauden und Bodendeckern die Zwischenräume gefüllt.

"Lila-Laune": den farbigen Grundton der Mischung geben drei verschiedene Heuchera-Sorten vor. Neben zahlreichen rosafarbenen oder violetten Geophyten im April sorgen im Mai die weißen Lanzen von Camassia leichtlinii 'Alba' für gute Frühlingsstimmung. Foto: Andreas Adelsberger

"Rubinsaum": Die Tulpe 'National Velvet' nimmt mit einem samtigen Dunkelrot den Farbton der Blätter von Euphorbia amygdaloides auf. Ihre gelbgrünen Blüten setzen den farblichen Kontrapunkt. Im Hintergrund sind die leuchtend violetten Blüten von Bergenia 'Eroica' zu sehen. Foto: Andreas Adelsberger

Abweichend vom Zufallsprinzip ist sowohl bei den Schatten- als auch bei den Saummischungen eine Gruppierung von niedrigen Begleit- und Bodendeckstauden zu empfehlen; die Pflanzung wirkt dadurch strukturierter. Nach der Pflanzung muss durchdringend gewässert werden. Die beste Pflanzzeit ist von März bis Ende Mai beziehungsweise von September bis Mitte November. Die Zwiebeln werden im Spätsommer bis Herbst entweder einzeln (Lilien), in kleinen Tuffs von drei bis fünf Stück (Narzissen, Tulpen, Prärielilien) oder in größeren Gruppen von fünf bis 15 Stück (Kleinblumenzwiebeln wie Krokus, Schneeglöckchen oder Blausterne) zwischen die Stauden gepflanzt.

Pflege

Nicht zuletzt übt die Pflege einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung einer Staudenmischung aus. Sie sollte durch eine qualifizierte Fachkraft beziehungsweise unter deren Anleitung erfolgen. Ein manueller winterlicher Rückschnitt im Spätwinter, der die immergrünen Arten ausspart, erfolgt am besten vor dem Austrieb der Geophyten im Februar. Zudem ist ein kosmetischer Pflegegang nach Einziehen des Laubes der Zwiebelpflanzen gegen Ende Juni empfehlenswert. In der Regel sind bei gemulchten Pflanzungen drei bis sechs Jätegänge pro Jahr ausreichend.

Regelmäßiges Wässern ist nur während der Fertigstellungspflege erforderlich. In den Folgejahren sind zusätzliche Wassergaben nur bei anhaltender Trockenheit notwendig. Bei nährstoffarmen Böden oder erkennbaren Mängeln empfiehlt sich eine Düngung zum Beispiel mit einem langzeitwirksamen Mehrnährstoffdünger. Tulpen und Narzissen sind dankbar für eine gelegentliche Nährstoffgabe, die idealerweise im Vorfrühling beim ersten Austrieb der Blumenzwiebeln erfolgt.

Im Veitshöchheimer Versuch wurde auf den gemulchten Flächen drei bis sechs Minuten Pflegezeit pro Quadratmeter und Jahr gemessen. Wenn die Pflanzungen dauerhaft fachgerecht gepflegt werden, ist durchaus mit einem hohen Alter der Pflanzengemeinschaften zu rechnen. Sie können relativ sicher zehn Jahre alt werden, ohne an Attraktivität einzubüßen. Voraussichtlich werden die Veitshöchheimer Mischungen sogar weit über diesen Zeitraum hinaus mit ihrem abwechslungsreichen Blütenbildern für heitere Momente sorgen.

Teil 1 dieses Artikels

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Literatur

LWG Veitshöchheim (Hrsg.): Merkblatt: Veitshöchheimer Staudenmischungen für halbschattige und schattige Standorte, 1. Auflage 2016.

(www.lwg.bayern.de/landespflege/urbanes_gruen/159984/index.php)

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 02/2018 .

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