Der Kommentar

Keine Strafzölle für Landschaftsgärtner

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Es gibt nichts Leichteres, als einen Handelskrieg zu gewinnen", sprach der US-Präsident und unterschrieb das notwendige Dokument zur Erhebung von Strafzöllen. Die offizielle Begründung: Die Produktion von Stahl sei wichtig für die Verteidigung des Landes und müsse daher für die Sicherheit des Landes geschützt werden. Inoffiziell schützt Trump damit die Arbeitsplätze in der Industrie und sichert sich vor allem Wählerstimmen. So ist Demokratie. Als Nächstes sollen Zölle auf Autos eingeführt werden. Wenn jemand erklären kann, warum spritschluckende Pickup-Trucks für die Sicherheit des Landes unbedingt notwendig sind, gelingt vielleicht auch das. Die Frage ist, ob damit der Präsident der Vereinigten Staaten tatsächlich seine Industrie schützt oder der Absturz nur beschleunigt wird.

Die Ökonomen dieser Welt sind sich da einig: Zunächst schützt es die Branche, danach beschleunigt es den Absturz, weil schlicht Anreize für Erneuerung und Innovation fehlen. Das beste Beispiel für einen misslungenen Schutzversuch ist "Made in Germany". Mit dem Gesetz, das Herkunftsland angeben zu müssen, wollte England Ende des 19. Jahrhunderts seine Industrie vor billigen Plagiaten aus Deutschland schützen. Die laufende Verschärfung der Gesetze spornte die deutsche Industrie so sehr an, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ein Qualitätssiegel besaß: "Made in Germany". Im Ergebnis ist die englische Industrie nicht mehr existent, allen voran die Autoindustrie: Land-Rover und Jaguar gehörten zu Tata-Motors aus Indien, Mini und Rolls-Royce gehören zu BMW, Bentley zu Volkswagen. Branchen, die langfristig auf Protektion setzten, haben es schwer.

Das ist beim Bau nicht anders. So hat der handwerkliche Straßenbau auch viele Jahre auf Protektion gesetzt, besonders gegenüber dem Landschaftsbau. Immer noch ist die Ausführung von bestimmten Arbeiten ohne Eintrag in die Handwerksrolle Schwarzarbeit, also eine Straftat. Da die meisten Straßenbauer sowohl in der IHK als auch in der HWK organisiert sind, gibt es über den handwerklichen Straßenbau kaum Zahlen, vermutlich ist aber der industrielle Straßenbau der Umsatzträger.

Der Landschaftsbau hingegen hat keinerlei Schutz. Jeder der möchte, egal ob Frisör, Taxifahrer oder Philosoph, kann nach Lösen des Gewerbescheins als Landschaftsgärtner tätig werden. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb hat die Branche ein sensationelles Wachstum hingelegt. In den letzten 30Jahren von 1,5 Milliarden auf fast 8 Milliarden Branchenumsatz. Von diesen Zuwachsraten träumen die meisten Branchen, auch die Autoindustrie.

Ich habe mich in meiner Zeit auch geärgert, dass die Wettbewerber wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Die meisten sind auch wie die Pilze wieder verschwunden. In einer Stadt wie Osnabrück bin ich selbst überrascht, dass es so viele erfolgreiche Landschaftsbauunternehmen gibt, obwohl jedes Jahr über 50 Studierende mit guter praktischer Ausbildung ihr Studium aufnehmen und ein nicht zu geringer Teil sofort als Einzelunternehmen in die Selbständigkeit geht. Die Betriebe müssen sich im Markt immer wieder behaupten und bleiben so erfolgreich. Natürlich hat jeder Unternehmer Bestrebungen, sich die lästige Konkurrenz vom Leibe zu halten. Auch das gehört zum Wettbewerb. Was aber schädlich ist, sind Marktabschottungen, die bequem machen.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 04/2018 .

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