Baumfachmann fordert Umdenken der Landschaftsgärtner

Stadtbäume in Not: GaLaBau soll sich für Entsiegelung einsetzen

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Gastgeber der Vortragsveranstaltung war der Bund deutscher Baumschulen. Präsident Helmut Selders (l.) und Geschäftsführer Markus Guhl (r.) beteiligten sich an der Diskussion. Foto: Hendrik Behnisch, Neue Landschaft

Die Branche müsse innerstädtische Grünflächen vehementer denn je gegen Bauvorhaben verteidigen - mit den Landschaftsgärtnern an vorderster Front: Diesen Appell richtete einer der renommiertesten Baumfachleute der Republik, Prof. Dr. Dirk Dujesiefken vom Institut für Baumpflege in Hamburg, auf der GaLaBau-Messe an seine Zuhörer.

Das rund 30-köpfige Publikum, das der Einladung des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) zu einem Stadtgrün-Seminar gefolgt war, wurde Zeuge eines engagierten Auftritts des Hamburger Professors. Dujesiefken stieg auf globaler Ebene ins Thema ein: Laut UNO-Prognosen werde im Jahre 2050 etwa 70 Prozent der Menschheit in Städten leben. Dadurch laste auf Stadtentwicklern ein gewaltiger Druck, urbanen Wohnraum zu schaffen.

Prof. Dr. Dirk Dujesiefken erläuterte, weshalb Stadtbäume unter besonderem Druck stehen. Foto: Hendrik Behnisch, Neue Landschaft

Wassermangel durch Trockenphasen und Versiegelung

Das Stadtgrün sei in diesem Szenario einer der Verlierer: Neubauten von Wohnungen, Straßen und Radwegen erzwängen einen immer größeren Flächenverbrauch zulasten von allem, was grünt. Besonders betroffen seien dabei die Stadtbäume, da sie gleich an drei Fronten bedroht würden.

Zum einen litten sie unter immer längeren Trockenphasen. Das träfe zwar auch auf ihre Artgenossen in der freien Landschaft zu. In Städten jedoch verschärfe sich die Not der Gehölze aufgrund von Versiegelung und Grundwasserabsenkung.

Dujesiefken mahnte angesichts dieses Szenarios, dass zukünftig nicht nur ein besserer Baumschutz auf Baustellen bestehen müsse, sondern auch, dass Ausweisen neuer Grünflächen notwendig sei. Grün sei jedoch nicht gleich Grün, betonte der Hamburger: Neue Areale müssten gezielt in großer genetischer Vielfalt bepflanzt werden.

Zuletzt habe das Beispiel des Eschentriebsterbens gezeigt, dass die Dominanz einer bestimmten Stadtbaumart im Fall einer Epidemie Probleme mit sich bringe. Die Lösung läge also darin, auf verschiedene Gattungen, Arten und Sorten zu setzen. Dabei, so Dujesiefken weiter, solle Ästhetik nicht zulasten der Funktionalität gehen.

BdB: China ist Vorbild für Grünpolitik

Dass Dujesiefken seinen Vortrag im globalen Maßstab begann, war kein Zufall. So sind Klimawandel und Urbanisierung einerseits weltweite Phänomene. Andererseits ist es eine ganzheitlich gedachte Grünpolitik, für die er sein Publikum sensibilisieren wollte. Lagerdenken innerhalb der grünen Branche sei hier um jeden Preis zu vermeiden. Und unter allen grünen Dienstleistungsberufen, so Dujesiefken, stehe der GaLaBau ganz besonders in der Pflicht.

Die Entscheider dieses umsatzstarken Wirtschaftszweigs sollten nicht nur nach ökonomischen Erwägungen handeln, sondern bewusst mehr im Sinne des Stadtgrün agieren. Konkret müssten Landschaftsgärtner einen Beitrag dazu leisten, dass Versiegelung vermieden werde - etwa, indem sie innerhalb ihrer Dienstleistungsangebote einen stärkeren Fokus auf Bewässerung legen. BdB-Präsident Helmut Selders teilte die Sichtweise des renommierten Baumfachmanns.

Und er versprach, mit dem BdB gegenüber politischen Führungskräften weiterhin dafür zu streiten, dass zukünftig fünf Prozent der Bausumme gesetzlich ins Grün fließen müsse. Er nannte dabei China - das selbst einen beispiellosen Urbanisierungsprozess bewältigen muss - als Vorbild.

Im Reich der Mitte sähen Autobahnausfahrten aus "wie bei uns der Eingang einer Landesgartenschau". Dass es hierzulande grünpolitisch noch viel Luft nach oben gibt, bestätigte auch Dujesiefken: "Das Weißbuch Stadtgrün hat gute Ziele, aber was im Moment passiert, ist das genaue Gegenteil."

Hendrik Behnisch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 10/2018 .

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